Archive for August 2008

Tide statt Hurricane

31. August 2008
Im Georgia Aquarium in Atlanta

Im Georgia Aquarium in Atlanta

Jetzt wird er also doch ein riesiger Hurricane, der Gustav. Was haben wir nicht vor zwei Tagen überlegt, doch nach New Orleans zu fahren? Schließlich wollen wir da unbedingt hin. Eigentlich. Ob wir das aber jetzt noch schaffen, ist fraglich. Auf jeden Fall war es die absolut richtige Entscheidung, mit der Sonne – wenn Engel reisen 🙂 – in den Osten zu fahren. Das heißt wir sind mit der „Tide“ zum College-Football-Saisonstart nach Atlanta „gerollt“. Die Stimmen hatten recht: Ganz Tuscaloosa muss unterwegs gewesen sein, ganz Atlanta war in kaminrot und weiß gehüllt, überall Menschen mit Footballshirts. Um 9 Uhr früh war im Olympiapark schon eine riesige Party am Laufen. Und am Ende wurde sicher noch mehr gefeiert, den „unsere“ Crimson putzte den Meisterschaftsfavoriten Clemson 34 zu 10 vom Platz (wen’s interessiert… 🙂 ). Roll Tide, go Bama…

Wir haben uns nach einem ruhigen Wandertag inkl. Eisenbahnfahrt im Stone Mountain Park, dem „Mt. Rushmore des Südens“ den musealen Highlights von Atlanta hingegeben. Coca-Cola-Museum, das Georgia Aquarium, das weltweit größte seiner Art, und zudem der Underground. Alles in allem waren wir positiv überrascht von Atlanta. Lebenswerte Stadt, und von der Hitze erträglicher als Tuscaloosa, da weniger feucht. Süßsüßsüßsüßsüß…

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Das Land des unbegrenzten (Fast-)Foods

29. August 2008

Unbegrenzt ist hier in den USA viel: Das Land, die Möglichkeiten und vor allem die Zahl der Fastfood-Ketten. Ist gar nicht so leicht, den zahlreichen „Lockvogelangeboten“ auch zu entkommen. Während zu Hause wohl hauptsächlich das goldene M, Burgerking, Subway und KFC bekannt sind, ist das hier erst der Anfang. Mal schauen, wie viele mir noch einfallen: Red Rooster, Arby’s, Wafflehouse, Hardee’s, Chick-Fil-a, Quiznoz, Taco Bell, Taco Casa, Krystal, Wendy’s, Ruby Tuesday, Dunkin‘ Donuts, Applebees, Dairy Queen, Pizza Hut… Die alle durchzutesten und wie beim EURO-Fanzoning zu bewerten, werde ich erstens wohl nicht schaffen und würde ich zweitens wohl auch nicht überleben, gewichtstechnisch… 🙂

Für Kaspar ist das alles noch nichts. Obwohl wir festgestellt haben, dass wirklich bislang eigentlich alle Häuser perfekt auf die Baby- und Kinderbedürfnisse eingestellt waren: Kinderstühlchen und Wickelraum bzw. -vorrichtung gehören zur Grundausstattung (wobei ich grad überlege, dass das in Österreich wohl auch so ist). Auch wenn es in den Fastfood-Restaurants für Kaspar noch nichts zum Essen gibt, verhungern tut er auch hier nicht. Zwar schauen die Breiflocken ein wenig aus wie Fischfutter und tatsächlich wird Maccaroni&Cheese oder Lasagne im Gläschen angeboten, aber sonst gibt es zu Europa eigentlich keine großen Unterschiede. Statt Hipp und Alete heißen die Angebote hier halt Gerber, Earth’s Best oder Beech Nut. Und die Größenangaben bei den Windeln (1, 2,…) und den Gläschen (Stufe 1-3) sind auch ident. Einzige Mankos in Sachen Kinderernährung: In den Innenstädten sind Supermärkte Mangelware, d.h. man muss zu den großen Malls und Einkaufszentren am Stadtrand fahren, um Kaspars Verpflegung zu bekommen. Und das Wasser aus der Leitung ist ziemlich chlorversetzt, für verwöhnte Europa-Gaumen unbrauchbar.

Amerikanisch leben

28. August 2008

Die letzten Tage hatte uns Fay im Griff. Mittendrin im tropischen Stürmchen, das noch in Florida ganz schön gewütet hatte, waren wir zwar nicht, aber da ein solches Wetterphänomen an den Rändern oft ausläuft, gab es in Tuscaloosa Regen. Ergebnis: Kein Hiking, kein Sightseeing. Für Kaspar also der Grund, genau das zu tun, was im Leben wirklich zählt: Essen, Schlafen, Spielen. Krabbeln ist mittlerweile ein Kinderspiel, Treppen nach oben sind es ebenfalls, genauso wie sich überall hochzuziehen. Als „erste Schritte“ sind die Trippel-Versuche mit Festhalten wohl noch nicht zu deuten, aber ich denke, lange wird es wohl nicht mehr dauern mit der Rennerei. Aber warten wir mal ab.

Franzisca und ich hingegen haben uns typisch amerikanisch verhalten und dem US-Volkssport Nummer 1 gehuldigt: Shop ‚til you drop! Die Outletmall in Bessemer – ein Traum für uns, ein Alptraum für die Kreditkarte. Für Kaspar gab’s babyGAP und Oshkosh, für uns Tommy und Ralph – und das zu H&M-Preisen. Man gönnt sich ja sonst nichts… 🙂 Bist Du deppert, sind wir jetzt cool unterwegs. Oder etwa nicht?

   

Mehr Bilder vom lustigen „Shooting“ im Webalbum. Hoffentlich kommt Gustav nicht, denn erstens wollten wir eigentlich noch nach New Orleans und zweitens könnte die Mall sonst unser zweites Zuhause werden… 🙂

Da wo die Musik zu Hause ist…

25. August 2008

Die Zeit rast nur so dahin – und diejenigen, die hin und wieder die Fotos auf dem Webalbum verfolgen, werden gemerkt haben, dass ich mit dem Texten gar nicht mehr hinterherkomme. Die letzte Woche jedenfalls war extrem cool & swingin‘. Wir sind den Wurzeln der Musik auf den Grund gegangen, haben uns auf eine kleine „Nordtour“ zu den Wiegen der Country Music, des Blues, Rock’n’Rolls und Souls begeben. Der Weg ging über Huntsville und Nashville bis nach Memphis und Tupelo (Elvis-Fans kennen sich aus…) zurück nach Tuscaloosa. Gesehen haben wir dabei u.a. US Space & Rocket Center, Jack-Daniels-Destillery, The Hermitage von US-Präsi Jackson, Country & Rock’n’Soul-Museen, die legendären Sun Studios und natürlich Graceland. Ein Erlebnis – auch für nicht 100prozentig eingefleischte Elvis-Fans.

Für Kaspar war dies eine hüftintensive Woche. Schließlich swingt er bei der richtigen Musik immer mit. Johnny Cash scheint er besonders zu mögen – noch dazu, wenn diese Musik in einer Blues-Bar in Memphis zum Besten gebracht wird. Und nach Graceland ist er sowieso der volle Elvis-Fan. 🙂 Jetzt zurück in Tuscaloosa wird erst mal einen Gang runtergeschalten. Aber geswingt wird weiter… 🙂

Alles Uni oder was?

21. August 2008
Ausflug an den Holt Lake

Ausflug an den Holt Lake

Tuscaloosa kannte ich vor unserer Tour nicht. Jetzt kenne ich es, da es für die kommenden Wochen unsere „Homebase“ ist. Und ich kann sagen, ich kenne es, obwohl wir erst zwei Tage dort waren. Das Resultat der ersten Besichtigungstouren: Tuscaloosa ist Universität. Alles dreht sich hier in diesem beschaulichen Südstaatenstädtchen in Alabama um die größte Institution des States. Das große, rote A als Symbol ist überall zu finden – auf Autotafeln, auf Flaggen, auf T-Shirts. Die Crimson Tide, das Football-Team, ist der Stolz ganz Tuscaloosas (und Alabamas, denn meines Wissens nach gibts hier weder NHL- noch NFL- noch MLB-Teams). Das Stadion mit rund 70.000 Plätzen ist gigantisch, die Gebäude am riesigen Campus herzeigbar. Und wir hatten bei der ersten Besichtigung gleich Glück: Es war Bid Day, der Tag, an dem die neuen weiblichen Alpha-Kappa-Phis und Omega-Alpha-Deltas dieser Uni in ihren Verbindungen aufgenommen wurden. Schicke Sommerkleidchen und Gekreische für die Mädels, „Schnecken checken“ für die Jungs. Und Schublade auf: Die Boys waren fast alle in Oakley-Brillen, Ralph-Lauren-Polos, Bermudashorts und Segelslippern gekleidet. Naja, war wohl Zufall oder gehört zu einem solchen Tag wohl dazu. 🙂

Sonst ist außer Uni nicht viel los: Downtown (in 2 Min. rumgefahren) ist dank Revitalisierungsprojekt Großbaustelle und erst 2009 fertig, der Rest halt US-Stadt. Dementsprechend zog es uns gleich raus. Nachdem wir unsere Zelte in der „Schludermann Suite“ bei Gary, einem urfreundlichen Komm-Prof der Uni, aufgeschlagen hatten und zusammen mit ihm Steak essen waren, hieß es die weitere Umgebung zu erkunden. Schließlich haben wir schweres Touri-Equipment mit zahlreichen Führern im Gepäck. Den ersten Hike der 60 um Birmingham (merci Tobias), was Tuscaloosa inkludiert, haben wir schon hinter uns gebracht. Holt Lake, ganz beschaulich. Bevor wir jedoch Tuscaloosa in vollen Zügen geniessen, sind wir noch einmal auf eine „Tour de Musik“ abgehaut…

Fotos, na klar, im Webalbum.

Byebye Washington, welcome Äläbäma

20. August 2008

Seit ein paar Tagen ist Washington D.C. für uns Geschichte. Die letzten Tage waren noch einmal von viel Gemütlichkeit und Ruhe geprägt. Georgetown hat uns noch einmal gesehen, insbesondere die berühmten Treppen aus dem „Exorzisten“ sowie die Uni, dazu das Hirshorn-Museum und die Library of Congress, vor dem Abflug nach Alabama noch – voll beladen mit unseren Rucksäcken und Koffern – der Zoo.

 

Bevor aber Teil 2 unseres Trips in Tuscaloosa, Alabama, beginnt, ein kurzes Wrap-Up unserer Learnings in Sachen USA-Reisen mit Baby:

 

1) Einreisen ist halb so wild wie alle sagen!

Was haben wir nicht alles erwartet aufgrund der Geschichten und Warnungen vor der Reise: Durchsuchungen bis auf die Unterhose, stundenlanges Warten an den Einreiseschaltern, strenge Blicke und Fragen. Alles kein Problem – ein kurzes Kopfnicken auf die Frage „Is it babyfood?“ hat genügt. Da waren die Kontrollen vor dem Inlandsflug von Washington nach Birmingham deutlich langwieriger und anstrengender.

 

2) Reisen mit Baby ist kein Problem, wenn man kein Problem draus macht!

Die lange Reise über den großen Teich, der Jetlag, die hohen Temperaturen – wir konnten nur staunen, wie leicht Kaspar das alles weggesteckt hat. Zudem gibt es Windeln und Babyfood

auch in jedem Supermarkt. Und ob der Starbucks nun auf der Mariahilfer in Wien oder auf der 6th Street in D.C. zu finden ist, macht für Kaspar keinen Unterschied – wichtig ist nur, dass wir dabei sind.

 

 

3) Reisen mit Baby verändert den Blickwinkel!
Sind wir früher vergleichsweise von einer zur nächsten Sehenswürdigkeit geeilt, stehen jetzt Kaspar und seine Bedürfnisse stärker im Vordergrund. Wichtig war es, ihm zwischen dem ganzen Sightseeing seine Spiel- und Krabbelzeiten zu geben. Und so richtete sich oftmals der erste Blick nicht auf die herausgeputzten Monumentalbauten sondern auf die Wiesen und erstaunlich sauberen Plätze vor diesen.

Dem Charme auf der Spur

15. August 2008
Kaspar und ich im Air and Space Museum

Kaspar und ich im Air and Space Museum

Zwei Tage waren wir dem Charme von Washington auf der Spur – und spätestens heute können wir sagen: Wir haben ihn gefunden! Letztlich macht es die Mischung aus monumentalen Touri-Attraktionen und charmanten Örtchen und Stadtteilen, die die US-amerikanische Hauptstadt ausmacht. Zwei echte Favoriten haben wir heute entdeckt: Georgetown und das Franklin D. Roosevelt-Memorial. Das Eine ein antikes Örtchen in der Stadt, das Andere eine grüne Ruheoase direkt neben den touristischen Attraktionen der „Mall“.

Dazu heute außerdem: das Jefferson-Memorial, das Vietnam-Veterans-Memorial, die George Washington University mit dem „Professors Gate“, der Watergate-Komplex und zuletzt das Air and Space Museum.

Neue Bilder wie gewohnt auf dem Webalbum.

Alles ist News

14. August 2008

Was gibt’s News? Das fragen wir uns immer wieder – und sicherlich auch ein paar Leser dieses Blogs. Als ehemalige Journalistik-Studenten und Kommunikationsarbeiter war es für uns natürlich ein Muss, ins Newseum zu gehen. Das gibt es erst seit Kurzem – und umso aktueller, moderner und interaktiver ist es auch angelegt. Empfangen wird man von den Titelseiten der aktuellen Zeitungsausgaben aus allen Bundesstaaten der USA. Drinnen gibt’s das dann digital auch von den meisten Zeitungen aus der ganzen Welt (für Österreich waren von den VN über Standard, Kurier und Presse bis zur Kleinen fast alle vertreten, allein Krone und Österreich waren nicht zu finden… 🙂 ). Sonstige Highlights: Ein Teil der Antenne des Nordturms des World Trade Centers, eine aktuelle FBI-Sonderausstellung mit der Holzhütte, in der der Unabomber seine Anschäge geplant haben soll (hier – ähnlich der Hitler-Wachsfigur in Berlin – heiß diskutiert), ein 4D-Kino, Pulitzer-Preis-Foto-Galerie und viel amerikanische (!) Journalismus-Geschichte (der Kenner sucht aber vergeblich nach dem Aviso von Wolfenbüttel 🙂 ). Überall dazu auf Touchscreens Erklärungen und Hintergründe in Form von Text und Videos. Also wirklich ein tolles, modernes (Wickeltische auch in den Männertoiletten!!), noch wenig bekanntes Highlight in Washington, für den man fast den ganzen Tag einplanen kann. Wir waren gleich zweimal dort, um alles zu sehen, unterbrochen nur durch die Liftfahrt auf das Washington Monument. Das Newseum kostet zwar 20-Dollar-Eintritt, was für Washington ungewohnt ist, da sonst fast alle Museen der Mall kostenlos sind, aber dafür kein Anstehen.

Anstehen gehört übrigens zu einer der wichtigsten Sportarten in Washington. Für Capitol und Washington Monument heißt es früh da sein, um ein Ticket für den Tag zu ergattern. Meist ist das Anstehen aber ganz lustig. Kaspar ist der Türöffner für jegliche Kommunikation – und das kommt unserem Englisch sehr zu Gute.

Apropos Kaspar: Eigentlich war das Blog ja als Karenz-Erfahrungs-Gschichterl angedacht. Aufgrund der vielen Erlebnisse derzeit ist das ein wenig in den Hintergrund gerutscht. Kaspar geht’s prima. Er hat zwar einen Tag länger als wir in Sachen Jetlag gebraucht, jetzt aber hat er seinen Heimattrott intus. Und er entdeckt dank Krabbeln und Robben die Mobilität immer mehr. Kinderwagenfahren wird langsam langweilig – es sei denn, Harleys und dicke Trucks sorgen für Abwechslung. Für uns heißt das derzeit: Viele Pausen und immer wieder Tragen – bei einem solch kleinen „Speckmops“ wie ihm gar nicht mehr so einfach…

Fotos hier.

Laufend im Untergrund

13. August 2008

Jeder neue Tag in Washington beginnt für uns mit einer Metro-Fahrt in die Stadt. Und selbst hier lässt uns die Heimat nicht los: Mit der „Orange Line“ (nach der Farbe auf dem U-Bahn-Plan) geht es immer in Richtung „Vienna“. Die Metro hier ist für mich zudem die erste, die den Namen „Underground“ auch wirklich verdient hat. Ich habe noch nie so dunkle Stationen gesehen wie hier. Wenn man dann mit der Rolltreppe in die gefühlten 40 Grad mit stechendem Sonnenschein hinauskommt, fühlt man sich stark wie Orpheus (bis darauf, dass er damals natürlich keine Rolltreppe hatte 🙂 ).

Ansonsten bewegen wir uns trotz der Größe der Stadt aber weitestgehend auf unseren Füßen vorwärts. Die Anlaufstationen Tag 2: Pentagon, Arlington Cemetery inkl. Changing of the Guards und JFK-Grab, Iwo Jima Memorial, Chinatown, FBI von außen, Dupont Circle. Neue Bilder wie bekannt auf dem Webalbum.

Walk the Mall oder An den Plätzen der Macht

12. August 2008

 

Vor dem Capitol

Washington

, Tag 1, liegt hinter uns – und ich nehm es vorweg: Wir sind uns im Moment noch uneins, ob wir diese Stadt lieben sollen oder nicht. Eine zwar monumentale und mit beeindruckenden Gebäuden verzierte Weltstadt, jedoch auch sehr steril und mit etwas fehlendem Charme. Zumindest haben wir den noch nicht entdeckt. Die zentrale Frage für uns: Wird hier überhaupt wirklich gearbeitet oder ist das alles nur für die Touris und den eigenen Nationalstolz? Na gut, zugegeben, dies war erst Tag 1. Und wir waren an diesem ruhigen Tag mit viel Spielen im Grünen auch nur an den Plätzen der Macht: Das Capitol, das Weiße Haus und „The Mall„, wie die museal-geprägte „Wandermeile“ inklusive Washington und Lincoln Memorial heißt.

Weitere, ausgewählte Fotos zu unserem Trip gibt’s übrigens auf meinem Webalbum.