Archive for September 2008

Spielzeug-Zwang ohne Erfolg

30. September 2008
Ist hier wer im Eimer?

Ist hier wer im Eimer?

Man lernt fürs Leben, heißt es. Bei Kaspar geht’s grad los. Gut für ihn: Er lernt beim Spielen. Wörter sind zwar noch nicht zu erkennen, dafür passende Brumm- und Grunzlaute zu Fahrzeugen und Tieren. Auch die Fein-Motorik wird immer besser. Und wer ein guter Vater sein will, unterstützt sein Kind natürlich wo es nur geht. Also habe ich dem werten Knaben ein „Motorik-Spielzeug“ geschenkt. Was groß klingt, entpuppt sich als eine Art „Heißer Draht für Anfänger“: Farbige Holzsteine sind an farbigen, geschwungenen Drähten befestigt und können von einer Seite zur nächsten bewegt werden. Naja, könnten. Denn Kaspar hält nichts von „Zwangspielzeug“. Jedenfalls interessiert ihn das Ding nicht die Bohne. Komisch, denn in den USA hat er noch vor nur ein paar Wochen mit einem ähnlichen „Instrument“ vorzüglich hantiert.

Alle Überredungskünste haben bislang nicht gefruchtet. Auch nicht die Geschichte, die uns beim Einkaufen des „Trumms“ eine überinteressierte Mutter „reingedrückt“ hat. Nämlich dass ihr Sohn Jonas das herrlich findet, sich damit am Stück 30 Minuten beschäftigt. Aber Kaspar ist halt nicht Jonas.

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Vergessene Schönheiten

30. September 2008

Wisst Ihr eigentlich wie schön Wien ist? Schön langsam kommen wir nach dem USA-Erlebnis wieder hier an. Mit jedem neuen Tag lernen wir die „guten Seiten“ der alten Stadt, auf die wir sechs Wochen verzichtet haben, neu kennen: Die kurzen Wege, die öffentlichen Verkehrsmittel, die Einkaufsinfrastruktur, aber vor allem die Gebäude, die Geschichte, der Flair und die kleinen Details, die beinahe hinter jeder Ecke warten. Das Wichtigste dabei: Einfach (mal wieder) mit offenen Augen durch die Stadt gehen.

Als wir nach Wien kamen, habe ich das noch bewußt gemacht: Jeden Tag bin ich mit der „Bim“ um den Ring zur Arbeit gefahren, habe den längeren und schön-historischen Weg den schnelleren, aber in der Früh meist verstopften U-Bahnen vorgezogen. Und vor allem die 30 Minuten einfach aus dem Fenster geschaut. Nach und nach habe ich das nicht mehr gemacht, stattdessen Zeitung oder Bücher gelesen. Wie schade eigentlich.

Am Wochenende sind wir drei mal wieder flaniert. Einfach so. Ohne Ziel (und das will was heißen für mich… 🙂 ) Wirklich spannend, was man da so alles sehen kann: Neben den schicken Hauseingängen oder Verzierungen an den Häusern haben wir unter anderem die 200.000ste Laterne, die in Wien aufgestellt wurde, gefunden. Ok, nicht toll, aber zumindest ein Beispiel… 🙂 Hab‘ mir dabei vorgenommen, so etwas mal wieder öfter zu machen und genauer hinzuschauen – und dann auch mit Fotoapparat.

Tupperparty für Babys

24. September 2008
Kaspar im Spielzeug-Wunderland

Kaspar im Spielzeug-Wunderland

Nein, ich habe nichts gekauft. Das war auch gar nicht möglich. Jedenfalls waren Kaspar und ich heute auf einer „Tupperparty für Babys“, der Baby-Party von Fisher Price. Andreas hat mir den Tipp gegeben (danke!), also mussten wir zwei das einfach ausprobieren.

Im „Indoor-Spielplatz“ Seversaal fand das Ganze statt. Drei große Matten waren vorbereitet, darüber Plakate mit den Altersangaben 0-6 Monate, 6-12 Monate und darüber. Auf den Matten türmte sich schon das (noch abgedeckte) Spielzeug, das es zu Testen galt. Sobald die Decken weg waren, ging es los, die „Invasion“ der Kinder und Babys.

Kaspar war am Anfang ein wenig konfus, saß erst einmal da und hat ruhig die Lage gecheckt, überwältigt von den vielen Menschen, Kindern und Spielsachen. Doch nach der kurzen Eingewöhnungsphase stürmte auch er drauf los. Sein Motto: Das nächste Spielzeug ist immer das Beste. Spielen mit nur einem, wenn man viele haben kann? Nicht mit ihm. Auch die Altersangaben waren ihm ziemlich egal. Hauptsache bunt, klimpernd, blinkend. Ich glaube fast, wir kommen aus dieser musikalischen Gschicht jetzt doch langsam nicht mehr raus. Egal, Kaspar hat’s gedaugt, was will man also mehr.

Farbgerangel um Papamonat und Karenzgeld

24. September 2008

Was war das für ein Possenspiel um den Papamonat. Dafür, dagegen, dafür, aber nur wenn, dann aber mit und ohne… Lang lebe der Wahlkampf. Das bunte Farbenspiel der politischen Parteien für Mehrheiten vor der Wahl war wirklich lustig mitanzusehen – und das nur aus den Internetquellen, auf die wir in den USA zurückgreifen konnten. Bin ich froh, dass ich am Sonntag bei der Wahl kein Kreuzerl machen darf. Naja, wenn ich über die Grenze nach Deutschland schaue, muss ich still sein, denn um so vieles besser scheint es der großen Koalition auch nicht zu gehen.

Auf jeden Fall scheinen die Abstimmungen über Papamonat und einkommensabhängiges Karenzgeld grade am Laufen zu sein. Showdown, bin gespannt, wie’s ausgeht. Muss mal schnell zum TV…

Auf der Suche nach dem Alltag

24. September 2008

Hätte mich noch vor ein paar Tagen jemand gefragt, was ich von „geregeltem Alltag“ halte, hätte ich wohl gelacht und lautstark Gegenargumente herausposaunt. Heute ist das anders. Heute suche ich tatsächlich nach so etwas wie Rhythmus, Kontinuität und Regelmäßigkeit in Tagesablauf. Denn ein wenig hat uns der Jetlag nach dem USA-Trip noch im Griff, besser gesagt Kaspar ist noch ein wenig verwirrt, warum es, wenn er fit und bereit zum Spielen ist, draußen stockfinster ist (was mit ein paar unverständlichen Grunzlauten kommentiert wird).

Erst langsam stellt sich bei ihm der „gewohnte“ Ablauf wieder ein. Die zurückliegende Nacht kann man für seine Verhältnisse sogar schon fast wieder als „durchgeschlafen“ ansehen. Während die nächtliche Fitness von Kaspar durchaus wieder verschwinden dürfte, würden wir hingegen gern das 7.30-Uhr-Wecken beibehalten. Da sind wir schon andere Zeiten gewöhnt. Aber gut, das Leben ist kein Wunschkonzert – also nehmen wir’s einfach, wie’s kommt…

USA hinten, Klagenfurt vorne

22. September 2008

Wir sind wieder da, in Wien, aber irgendwie auch wieder nicht. Es braucht wohl schon noch ein bisserl, bis wir es wirklich begriffen haben, dass unsere USA-Zeit vorbei ist. Lange haben wir, hat insbesondere Franzisca drauf hingeplant. Und jetzt ist es einfach vorbei, der österreichische Alltag wird uns bald wieder einfangen. Die abgefallene Spannung, der fehlende Fast-Food, das Jetlag, das miese, österreichische Wetter – so ganz genau wissen wir es nicht, was uns die letzten Tage ans Bett gefesselt hat. Auf jeden Fall kränkeln wir leicht rum. Aber wir starten bald wieder durch, dann in Klagenfurt, wenn Franzisca im Wintersemester wieder den Professor gibt.

Aber wir wollen unser USA-Abenteuer, das unter dem Motto „Weder Rules & Pool Rules“ lief, noch einmal Revue passieren lassen:

  • Der schönste Tag: Strandtag in Orange Beach
  • Kaspars liebster Platz: Schaukel am Spielplatz in Chicago
  • Kaspars liebstes Spielzeug: gelber CAT-Laster
  • Das schönste Museum: Newseum in Washington
  • Das skurilste Museum: Graceland in Memphis
  • Die lebenswerteste Stadt: Chicago
  • Der netteste Führer: Juan aus Birmingham
  • Der skurilste Anblick: Fünfköpfige US-Familie in New Orleans, alle gedressed in den gleichen Hippiefarbe-Batik-T-Shirt („Are you guys together?“)
  • Die beste Fastfood-Kette: Wafflehouse
  • Das beste Restaurant: The Globe in Northport
  • Das beste Motel: Jameson Inn
  • Der beste Supermarkt: Publix
  • Das beste Alltags-Essen: Hühnersalat von Winn Dixie
  • Der beste Sportmoment: Crimson Tide gegen Western Kentucky Hilltoppers live
  • Der beste Snack: Take 5 von Hersheys

Und auch noch einmal aktualisiert: das Webalbum.

Einen Gang hochgeschalten

17. September 2008

Was für ein Unterschied: Chicago lebt, Chicago atmet, hier steppt der Bär. Endlich möchte man meinen, denn nun können wir Washington, Atlanta oder New Orleans erst richtig einschätzen. Ergebnis: Gegen Chicago wirken sie alle wie verschlafene Städtchen. Chicago macht uns richtig Spaß, ein gelungener Abschluss. Die Museen sind prima, nämlich so, dass wir sie sehen können, aber nicht müssen. Deshalb lassen wir sie links liegen, bewegen uns lieber fußgängertechnisch durch die Stadt, die Parks und Kinderspielplätze, die Kaspar immer mehr für sich entdeckt. Trotz enger Downtown-Straßen und Wolkenkratzern, erdrückt fühlt man sich hier nicht. Wir sind wirklich begeistert.

Dabei hatten wir bei der Anreise doch einige Schwierigkeiten. Statt um 16 Uhr sind wir erst um 20 Uhr abgehoben, waren dementsprechend spät in der „Windy City“. Grund: Heftiger Regen und Überschwemmungen in Chicago. Diese Phänomene scheinen uns zu verfolgen, zu verfolgen und zu verfolgen. Warum das Wetter das macht und wie, das kann wohl am besten „Hochegger|Meteo-Experte“ und Bloggerfreund Clemens erklären, der gerade auf einjähriger „Forschungsmission“ in China weilt – und sich im Übrigen mit den gleichen Wetterphänomenen rumschlägt. Nur heißen die Hurrikane dort anders. 🙂 

Auf jeden Fall ist das Wetter in Chicago schon sehr europäisch und windig (wenn Chicago auch Windy City heißt, ist das nicht verwunderlich). Mit der Lakefront fühlt sich Franzisca sogar manchmal an Langeoog, ihre Lieblingssommerferieninsel in der Nordsee, erinnert. Und wenn ich sehe, wie kalt es in Wien gerade ist… Für uns auf jeden Fall wahnsinnig angenehm. Gegen Hitze im Süden wäre ja nichts einzuwänden gewesen, wenn nicht die hohe Luftfeuchtigkeit gewesen wäre. Kaum aus der Tür, hat schon alles an dir geklebt. Aber es geht dort ja allen so…

Gleich steht der letzte volle Tag an – und damit das Ende unseres USA-Abenteuers. Was für eine Zeit. Huschhusch, und furt waren sie, die fast 6 Wochen. Spannend und aufregend war’s für Kaspar, und auch für uns, mit vielen Eindrücken, Erfahrungen und ganzganzschönen Erinnerungen. Dennoch: Irgendwie freuen wir uns jetzt schon wieder auf Wien und heimische Gefilde. Gewissermaßen nach Sweet Home Alabama jetzt Sweet Home Chicago und dann Home sweet home… 🙂

PS: Chicago, im Jahr 2028, 3 Menschen in Leder, 3 Harleys, wir kommen wieder…

Alabama-Resüme: Tops + Flops

14. September 2008

Vier Wochen mit Basislager Tuscaloosa, AL, liegen hinter uns. Bevor wir gen Chicago abheben (Verspätung wegen Überflutungen, wo bitte gibt’s die hier nicht…), noch ein kurzes Resüme und die Tops und Flops. Unser Slogan über die vergangenen Wochen: Weder Rocks & Pool Rules!

Flops:

  • Tuscaloosa und Alabama:
    Ich war ja noch offen und erwartungsfroh, aber die „Erwartungen“ haben sich größtenteils erfüllt. Tuscaloosa kann bis auf Football sehr wenig, Alabama noch weniger (das „The Beautiful“ muss man bis auf die Beaches wohl auf anderen Pfaden als unseren suchen). Europa-imagetechnisch wohl ein wenig mit Belgien zu vergleichen – eher zum Durchfahren zwischen interessanten Staaten (sorry Belgier, gibt bei Euch sicher schöne Ecken, aber beim Image… 🙂 ) Das war die touristische Wertung. Dort im Uni-Umkreis zu leben und zu werkeln, bedürfte eines tieferen Hinschauens. Beim nächsten Mal…
  • Meilen:
    Ich fahr ja gern Auto, aber irgendwann geht es einem doch auf den Senkel, bis zur nächsten Stadt drei Stunden im Auto zu hocken. Aber das ist eben die USA…
  • Lange Hosen, Pullis und Sportschuhe:
    Unnütze Utensilien, die wir mit uns rumgeschleppt haben, ohne sie ein einziges Mal benutzt zu haben. Schade um die Kilos im Koffer.

Tops:

  • Kaspar:
    Dazu bedarf es keiner erklärender Worte.
  • Die Leute in Tuscaloosa:
    Auch hier hatte ich das Schubladen-Vorurteil im Kopf: Oberflächlich und fad. Das Gegenteil hat sich herausgestellt. Leute mit Freude am Leben, offen, spaßig und interessiert. Insbesondere an dieser Stelle noch einmal ein tierischer Dank an „unseren“ Gary und seiner „Ex“ Susan. Thanks folks, you were more than just hosts.
  • Atlanta + Memphis + New Orleans:
    Interessante und lohnenswerte Städte, jede mit seinem eigenen Flair.
  • Shopping:
    Nur soviel: Arm aber glücklich – und vor allem „damn good lookin'“.
  • Hyundai, Journey-CD und XM 23, The Heart sowie XM 51, Metallica:
    Klein, aber fein war unser Elantra, der die 3.500 Meilen ohne Murren runtergespult hat. Geholfen auf den Highways hat auch die musikalische Untermalung: Die Radiosender liefen rauf und runter, und unsere phänomenale Journey-Best-Of-CD hat von vielen Rotieren sicherlich schon einen Drehwurm. (Typisch wir: rein in Laden, cool, eine B…-CD fürs Auto, die Typen schauen ja auch 80er-technisch gruselig aus auf dem Cover, gekauft. Kommt zu Hause gleich zwischen Survivor und Foreigner… 🙂 .

In diesem Sinne: The wheel in the sky keeps on turning…bis dann in Chicago…

Die Welle schwappt über

14. September 2008

Bist Du deppert, ist da gestern abend was abgegangen. College-Football Alabama Crimson Tide gegen die Western Kentucky Hilltoppers (was bitte ist ein Hilltopper?). Schon vor dem Spiel Ausnahmesituation: Der Unicampus war voll mit Zelten mit Flatscreens, BBQ und Satelliten-Schüsseln, die gesamte Stadt war in Rot-Weiß getaucht.

Insgesamt 93.128 Zuschauer fasst das Stadion, dementsprechend gedrängt sind die Sitze auch angeordnet. Es muss dabei wohl eher mit asiatischen Hinterngrößen gerechnet worden sein, sicher jedoch nicht mit amerikanischen, fastfood-getrimmten. Auf jeden Fall war’s kuschelig. 🙂

Das ist aber auch wirklich das einzige, über das man sich beschweren könnte. Was für eine Stimmung, was für ein Aufwand mit Cheerleadern, One Million Dollar Band (Halbzeitshow mit gefühlten 300 Bläsern und Trommlern, die lustige Figuren auf den Rasen zaubern), Coaches und Betreuer für alles und jenes. Und dann noch ein klarer Sieg (41:7) – Sportlerherz, was willst Du mehr. Meines jedenfalls ist übergegangen.

Geschichte zum Anfassen

13. September 2008

Gestern bekamen wir unerwarteter Weise eine Geschichtsstunde der anderen Art: Im Kelly Ingram Park in Birmingham wurden wir von einem Mann angesprochen – auf Deutsch. Er erkannte den Akzent und konnte sogar noch ein paar Brocken von der Zeit, als er beim Militär in Wiesbaden stationiert war. Der Mann war Juan Perkins, ein Obdachloser mit viel Empathie für die Geschichte des Civil Right Movements in den USA und damit auch für seine Geschichte. Er führte uns durch den Park und erklärte uns Dinge, die wir sonst nie gesehen und verstanden hätten. Und wie es damals – mit ihm mittendrin – in den frühen 60er Jahren zuging. Auch andere Blogger haben mit ihm einen Blick in die Vergangenheit gemacht, und hier, hier und hier schon ausführlich beschrieben, wie es mit Juan war. Bei uns war es nicht anders. Juan, it was a pleasure meeting you. Thanks a lot.