Archive for November 2010

Wort-Diabetes

30. November 2010

Ich bin zuckerkrank. An den Ohren. Ich habe Wort-Diabetes. Denn gegen ein bestimmtes, das in Anwesenheit von Babys und Kinder immer wieder fällt, reagiere ich mit Gereiztheit, Schaudern, Zittern: Süüüüüüüüüüß! Bislang habe ich dagegen kein Mittel gefunden. Und grausam: Wort-Diabetes ist so gefährlich, dass ich mich erwische, mir selbst zu schaden und das Wort ebenfalls zu verwenden. Ein Teufelskreis.

Wikipedia hat hier einen klaren Standpunkt – meinen. Von „süß“ in Form von „mei, der schaut aber so etwas von … (gibt es hierfür eine passende Übersetzung?) aus“ ist hier keine Rede:

-Süß ist eine „gustatorische Wahrnehmung“ – und ich habe noch niemanden Julius abschlecken gesehen.
-Süß ist eine „Geschmacksangabe bei Wein“ – und wenn man so will, dann war eher Kaspar die „Spätlese“ in der Familie. Aber den definitorisch vorgeschriebenen Restzuckergehalt von mehr als 45 g/l hat auch noch keiner gemessen.
-Süß ist eine Beschreibung für ein Rohöl mit einem Schwefelgehalt unter 0,5 % – und wenn es nach der Windel geht, dürfte bei Julius der Schwefelgehalt deutlich drüber liegen…

OK, zugegeben, Wiktionary spricht bei „süß“ auch von einem Synonym für „herzallerliebst, niedlich, possierlich“. Aber erstens ist Julius KEIN „possierliches“ Baby und zweitens, was ist schon Wiktionary im Vergleich zu Wikipedia. Es wird also einfach Zeit, dass die Kinder größer werden. Denn – und so habe ich gehört – mit dem Alter nimmt die Wort-Diabetes ab. Und dann ist süß hauptsächlich mit den weißen Stückchen verbunden, die sich im Kaffee so herrlich auflösen.

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Freundlich-festliche Hausübernahme

29. November 2010

Winter in KlagenfurtWir befinden uns im November des Jahres 2010. Ganz Klagenfurt liegt friedlich eingehüllt in weißen Schnee. Idyllisch und ruhig… Ganz Klagenfurt? Nein! Ein von unbeugsamen Kindern bevölkertes Haus hört nicht auf, gegen diese Idylle anzuschreien. Quietschende Laute, Gekicher und Gelächter tönt aus Fenstern und Türen. Eine freundliche-festliche Hausübernahme hat stattgefunden. Der Grund: Kaspar’s erster, eigener Kindergeburtstag!!

Lange musste Kaspar drauf warten. Die schon vor zwei Wochen geplante Feier zu seinem „3-Jährigen“ musste aus „Julius-geburtstechnischen Gründen“ kurzfristig abgesagt werden. Jetzt also Versuch Nummer 2 – und der ist mehr als geglückt. Angesagt hatte sich das Who-is-who des Klagenfurter Kindernetzwerks: Leni, Johanna und Elias. Die Kinder kommen, und ab geht die Party und die Party geht ab: Kurz gestärkt mit Kuchen und dann spielen, spielen, spielen.

Kindergeburtstagsgäste

Elias, Johanna, Leni und Kaspar

Ambitioniert Franzisca: Sie versuchte sich mit Topfschlagen, einer Variante des „Reise-nach-Jerusalem“-Spiels sowie Dinge-Tasten als „Spieletante“. Und Hut ab. Die vier wilden Herumtreiber kamen tatsächlich zusammen, spielten einträchtig. An diesen – wenn auch nicht allzu lang anhaltenden – Erfolg hatte ich im Vorfeld nicht geglaubt. Nicht nur Kinder, auch Papas sind lernfähig.

Nach vier Stunden Spannung, Spiel und Spaß (statt der laut Kinderüberraschung in der Aufzählung fehlenden Schokolade gab es übrigens Gummibären) hatte auch das letzte Kind die Hausübernahme abgebrochen. Die „Ordnungshüter“ zogen eine großartige Bilanz: Glückliche Gesichter, vollgestopfte Mägen und viele schöne Erinnerungen. Auch Personen- oder Sachschäden blieben aus. Und die Idylle und Ruhe in Klagenfurt, sie kehrte zurück.

Bitte stillhalten!!

25. November 2010

Julius Weder ist da. Eine Geburtsurkunde ist nach einem Gang zum Standesamt sein Eigen. Und angemeldet ist er bei uns auch schon, er darf also bei uns leben. Ob wir mit ihm auch schon reisen dürfen – auch innerhalb Österreichs -, darüber sind bzw. waren wir uns nicht wirklich im Klaren. Denn Julius hat noch keinen Ausweis.

Nachdem die Eintragung in den Pass der Eltern abgeschafft wurde, benötigt der kleine Racker also einen eigenen Reisepass. Gar nicht so einfach, für Deutsche in Österreich – zumindest, wenn man nicht in Wien wohnt und „einfach“ zur Deutschen Botschaft latschen kann. Einen Pass für den neuen Erdenbürger gibt es aber auch bei den deutschen Honorarkonsuln. Blöd nur, dass der für Kärnten zuständige in Graz hockt, Öffnungszeiten Mo-Do, 9-11 Uhr. Gut, nicht grade eine Weltreise von Klagenfurt. Aber die Eltern, da beide sorgepflichtig, müssen beide persönlich dort vortanzen. Und der Kleine auch. Dann aber stellt sich die Frage: Dürfen wir überhaupt fahren? Schließlich sind wir verpflichtet, uns auszuweisen – und Julius hat ja keinen Ausweis. Irgendwie unlogisch….

Nach einem – nicht gerade freundlich beantworteten – Anruf in Graz sind wir klüger. Die Geburtsurkunde gilt. Trotzdem irgendwie komisch, diese jedesmal mitzuführen, wenn wir unterwegs sind. Eigentlich wünsche ich mir gerade, in eine Verkehrskontrolle zu kommen, um zu sehen, ob die Auskunft so wirklich in Ordnung war und wir mit der Geburtsurkunde „durchkommen“. Aber da ich nicht weiß, wohin das alles führen kann, ist mir die österreichische „paaaaasst“-Variante doch lieber, glaub ich…

Ebenfalls kurios ist, dass der Pass von Julius für sechs Jahre gelten wird. Ich glaube jedoch nicht, dass er mit 6 noch genauso aussehen wird, wie auf dem Passfoto, dass wir für ihn machen lassen müssen. Und jetzt bring mal ein Baby dazu, erstens die Augen offen zu halten unf zweitens den Kopf so zu halten, dass es auch den strengen Passbildvorschriften entspricht. Ein Hollywood-Shooting mit einem exzentrischen Model wird wohl ähnlich ablaufen. Aber was macht man nicht alles, nur damit alles passt und der Kleine auch mit uns reisen darf.

Wedersches Suchbild

22. November 2010

Im rechten Bild sind ein paar Unterschiede zum linken eingebaut. Findet die Unterschiede…

Julius Kaspar

A.N.N.A.

17. November 2010

Unser Familienwichtel AnnaEs sind nur vier Buchstaben – und doch bedeuten diese uns eine Menge. Anna, unser „rothaariger Familienwichtel“. Franzisca’s kleine Schwester studiert hier in Klagenfurt. Und wir sind sehr dankbar darüber. Denn sie ist da für Kaspar, wenn wir mal Termine haben, sie ist da, wenn wir krank sind, sie ist da, wenn wir zum Grillen einen leckeren Spezial-Kartoffelsalat benötigen, sie ist da, wenn wir mal einen Abend für uns in trauter Zweisamkeit haben wollen, und vor allem: Sie war da, als Julius geboren wurde – in neuer Radl-Rekordzeit, mitten in der Nacht.

Danke, Anna!

 

Von Neid keine Spur – noch nicht?

16. November 2010

Ein Frage hat uns als Eltern vor der Geburt von Julius ja besonders beschäftigt: Wie wird Kaspar auf den „Eindringling“ reagieren? Was passiert, wenn er merkt, dass sein Exklusivitätsanspruch auf Mama und Papa gerade ausgelaufen ist? Nach rund einer Woche ist zu sagen: Von Neid keine Spur. Und das ist gut so…

Zugegeben, es war auch immer etwas geboten: Die ersten Gäste mit vier Generationen Gottwald in Klagenfurt und das Wochenende. Die große „Jetzt-geht-es-wieder-in-den-Kindergarten-und-der-Kleine-bleibt-bei-Mama-und-Papa-Challenge“ steht uns noch bevor. Es bleibt spannend…

Männer sind halt Männer!

15. November 2010

Dass Frauen und Männer verschieden sind, hat Kaspar wieder einmal eindrucksvoll bewiesen. Nach Julius‘ Geburt hatten wir beiden Männer die Nächte nach langer Zeit mal wieder ganz für uns. Inklusive aller Einschlafrituale, die üblicherweise Mama vorbehalten sind. Und je nach Lust und Laune, kann das bei Kaspar und Franzisca schon einmal länger dauern. Dann wird besprochen, wie wichtig schlafen ist,  warum es jetzt Zeit ist, ins Bett zu gehen, warum nur zwei und nicht drei Bücher gelesen werden, warum er jetzt alleine einschlafen sollte und so weiter. Meistens das Ergebnis: Franzisca bleibt bei ihm im Zimmer, bis er eingeschlafen ist.

Männer sind da wortkarger. Nach den obligatorischen Büchern bin ich rausgeschickt worden. Kaspar wollte sein Buch noch einmal selber lesen, dann das Licht ausmachen und schlafen, so seine Ansage. Wow, das wäre das erste Mal gewesen. War es aber natürlich nicht. Statt einem schlafenden Schnaufen waren kurz darauf Tapstapstaps-Schritte auf dem Flur, dann ein vorsichtiges geschnauftes „Papa“ zu mir ins Schlafzimmer zu vernehmen. Die nächste Aktion: Noch einmal auf die Toilette. Kaspar’s Grund, warum er noch nicht schlafen wollte. Verständlich. Eigentlich. Nachdem wir das Spielchen jedoch dreimal wiederholt hatten und sein Kopf von wiederholten Rausquetschen von gut ein bis zwei Tröpfchen schon rot angelaufen war, habe ich ihm klar gemacht, dass das nun das letzte Mal war und jetzt geschlafen wird.

Auch wenn die Hoffnung zuletzt stirbt, war von Anfang an eigentlich klar, worauf das Ganze hinauslaufen wird: Kaspar will bei mir schlafen. Gefragt aber hat er es kein einziges Mal. Mal wieder tief in die Klischee-Kiste gegriffen, aber mal Hand aufs Herz: Welcher Mann fragt wirklich gerne nach dem Weg zum Bahnhof. Die Jäger müssen selbst Beute machen. So also auch Kaspar, der zuletzt wieder auf leisen Sohlen zu mir ins Schlafzimmer getapst und dann – ohne einen Ton zu sagen – zu mir ins Bett gekrochen kam. Männer sind halt Männer – wie klein sie auch sind!

Willkommen, Julius Ferdinand Weder!

12. November 2010

Hier ist er also, Weder #2.

Sein Name: Julius Ferdinand Weder, geb. 10.11.10, 6:25 Uhr, ELKI Klagenfurt.

Sein Kampfgewicht: 3560g auf 51cm.

Sein Kampfrekord: 1 Kampf über 6h, 1 Sieg, kein KO.

Sein heutiger Gegner: die Welt.

Kampfzeit: ein Leben lang.

Wir sind bei Dir und unterstützen Dich, kleiner Mann! Auf in den Kampf!

Der König hinter dem Thron

9. November 2010

Heute ist Kaspar’s Geburtstag. Der kleine König feiert – auch im Kindergarten. Dort wird der Festtag groß zelebriert, mit Krone, mit Königsthron, mit Kuchenschlacht und Fanfaren. Und im Mittelpunkt: das Geburtstagskind. So die Theorie.

Nicht so, wenn Kaspar Geburtstag hat. Schon Tage vorher, als er zum er zum ersten Mal mitbekommen hat, wie das Feiern im Kindergarten so vor sich geht, gab es ein Geburtstagsfeier-Veto. Kaspar fühlt sich wohler hinter dem Thron. Im Mittelpunkt zu stehen, ist nicht Kaspar’s Ding, er gibt nicht so gerne die „Rampensau“.  Zumindest nicht vor einem so großen Publikum wie im Kindergarten.

Zu Hause hingegen wird gesungen und getanzt, mit Gitarre und Mikrofon. Und ich darf den kleinen Hitparadenstürmer und sein nächstes Lied gnädigkeitshalber ansagen. Es sind halt doch zwei Welten: der Kindergarten und das Zuhause.

Warten

5. November 2010

Hat Warten eigentlich etwas Positives? Hm, vielleicht die Vorfreude auf Weihnachten – und auch hier bekommt es eine schiefe Optik, wenn ich dran denke, wie oft ich in den vergangenen Jahren am 23.12. noch immer kein Geschenk für meine Liebsten hatte. Ansonsten, hm, mir fallen für das Warten tatsächlich nur negativ-konnotierte Beispiele ein: auf den Zug, den Bus, die Wahlergebnisse, die göttliche Eingebung für das nächste Facebook. Mist…

Aber warum stell ich mir denn diese philosophische Frage überhaupt? Ganz einfach: Wir warten. Wir warten darauf, dass Kaspar’s Bruder sich nach draußen genehmt – raus aus dem Bauch, rein ins Leben. Und dieses Warten macht nicht wirklich Spaß. Bei Kaspar war das schon genauso. Die Zeit wird lang und länger und tickt unendlich langsam. Wie es Warten halt so mit sich bringt. Klar, auch hier ist die Vorfreude wie bei Weihnachen groß – wenn nur der Termin so klar an einem Tag kommen würde wie der 24. Dezember.

Einen Termin haben wir auch, aber im Internet kursieren Infos, dass nur rund vier Prozent der Babies auch am prognostizierten Tag auf die Welt kommen. Ganz gleich, ob der echte Prozentsatz jetzt bei 2, 4 oder 8 Prozent liegt, mir ist er jedenfalls deutlich zu klein. Dennoch, es gibt auch Hoffnungsschimmer, dass das Warten bald ein Ende haben könnte: 2/3 aller Babies sollen vor dem errechneten Termin geboren werden. Also, auf geht’s, Weder #2, ranhalten. Und bis dahin ziehen wir die Mundwinkel einfach hoch und – richtig – warten.