Archive for Januar 2011

Männer, die auf Kaspar starren

29. Januar 2011
Starren

Starr-Attacke auf den großen Bruder

Sie starren, nach vorne gerichtet, geradeaus, ohne zu zucken, minutenlang auf einen einzigen Punkt. Sie, das sind die Augen von Julius. Julius ist ein Baby. Und Babies starren. So ist das einfach.

Für Kaspar ist das jedoch nicht so einfach. Er will nicht angestarrt werden. Weder von Julius noch von mir. „Er soll mich nicht so anschauen“ – so seine Worte, wenn Julius wieder zu einem seiner Glotz-Attacken angesetzt hat. Noch gemeiner, wenn ich dann noch auf den Zug aufspringe und ebenfalls zu starren beginne. Männer, die auf Kaspar starren, das geht nicht. Dann wird zurückgeglotzt. Grimmig, mit dem bösesten Gesicht, das Kaspar aufsetzen kann. Das Ende: Lachen auf breiter Front. Nur bei einem nicht: Julius. Aber der ist ja auch ein Baby.

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Wii ein Ei dem anderen

11. Januar 2011

Kennen Sie das Gästebuch 2.0? Wir haben es und nennen es Wii. Die kleine, weiße Spielkonsole haben wir umgerüstet. Jeder, der zu uns über Nacht zu Besuch kommt, wird zwangsbeglückt, sich dort einzutragen. Nicht mit einem netten Spruch, sondern mit seinem Ebenbild. Oder das, was man dafür halten soll. Die Wii ist nämlich ausgestattet mit einem Mii-Kanal, einem Programm, mit dem man seine eigenen Avatare bauen kann – mit doch deutlich begrenzten Grafik-Möglichkeiten.

Alles begann mit den Weder-Manschgerln. Vor gut 1,5 Jahren. Auch Kaspar hat damals sein Mii bekommen. Mit großem Kopf, kurzen Haaren und lustigen Glupschaugen. So richtig gepasst hat das damals noch nicht. Aber lustig war es. Und Tennis spielen konnte das Männchen wie der gute Roger Federer in seinen besten Zeiten.

Jetzt wollte Kaspar einen Haarschnitt. Die langen Fransen stören und pieksen immer in die Augen, so unser kleiner Fashion-Victim. Aber er wollte keine Roger-Frisur ala „Schwiegersohn “ sondern lieber einen André Agassi-Fanschnitt, kurz, verrucht, rebellisch, wild, halt so einen „wie Papa“. Und Mama packte den Scherer aus. Siehe da, das Kaspar-Mii erlebt nun einen neuen Frühling. Es und er gleichen sich plötzlich, wii ein Ei dem anderen. Da soll noch einer sagen, 2.0 sei schon von gestern…

Kaspars Mii

Kaspars Ich

A lotta Gewetter in Valletta

10. Januar 2011

Ich bin bekannt. Nein, mehr noch, berühmt. Oder besser: Berühmt berüchtigt. Nicht hier, nein, in Valletta. Valletta, die Hauptstadt Maltas und unser Silvesterziel. Eigentlich entspannt betriebsam, ruhig, beschaulich. Am Silvestertag aber brauste ein Tornado durch die Innenstadt. Lautstark heulend, Ohrenerschütternd. Und ich mitten in seinem Auge, umhergeworfen, erfasst, ergriffen. Wetter-Tiefs hatten 2010 eigentlich weibliche Namen. In Malta aber gab es eine Ausnahme. Dieses Tief hieß Kaspar.

Was den Kleinen wirklich beschäftigt hat, bleibt wohl in den Gassen und Straßen der Innenstadt von Valletta für immer verschollen. Die lang anhaltende Schreiorgie jedoch rückte mich, Franzisca und ihn selbst in das Spotlight der uns umgebenden Menschen. 100erte Augenpaare, die uns verfolgten, 100erte teils mitleidige, teils fragende Gesichter. Blöd, dass die Einheimischen im Schnitt gut eineinhalb Köpfe kleiner waren als ich. Verstecken aussichtslos. Dann halt beruhigen: die harte, die weiche, die verständige, die mitleidende, die darüber hinwegschauende, die ablenkende, die ignorierende Tour – wir haben alles versucht. Sogar Geschenke von freundlichen Maltesern hatten nur kurzfristigen Erfolg. Also Augen zu, gute Miene zum bösen Spiel und durch. Irgendwann zieht jedes Gewitter vorbei – und so war es dann auch auf Malta.

Im Jahr 2011 sind die Tiefdruckgebiete wieder männlich. Die Ks vom 1. bis 5. Anlauf (also fünfmal das Alphabet durch), sind schon mit Klaus, Kurt oder Karl und den jeweils dazugehörenden Wetterpaten vergeben. Die Gefahr, dass ein „Kaspar“ 2011 über mich herzieht, ist also gering. Zumindest, was das Wetter anbelangt.

Birgit, einmal waschen bitte!

7. Januar 2011

Birgit, einmal waschen bitte!

Was würden wir nur machen, wenn wir Birgit nicht hätten. Ich kann allen mit Kindern Birgit wirklich nur ans Herz legen. Jeder sollte eine zu Hause haben, mindestens. Und wenn sie nicht schon erfunden wäre, müsste sie erfunden werden. Denn Birgit ist Superwoman und Bibi Blocksberg in einer Person. Birgit ist großartig – und die einzige, die Kaspar davon überzeugt, wie cool Haarewaschen eigentlich ist.

OK, zugegeben, Birgit heißt eigentlich Franzisca. Warum ihr Akzent russisch ist, weiß auch nur sie selbst. Aber sie macht ihren Job, anstandslos und mit viel Verve. Birgit macht Hausbesuche, kommt zu Kaspar ins Bad – und manchmal sogar in die Badewanne. Birgit erzählt in lustigem Russisch-deutsch, wie toll Haarewaschen ist. Birgit gießt das Wasser über Kaspars Kopf, schäumt ihn ein und spült ihn ab, fertig. Ich hätte wohl meine ganzen Überredungskünste einsetzen müssen, bis Kaspar bei mir das Programm durchgezogen hätte. Und wie gut Birgit noch dazu aussieht! Ich denke, ich werde schwach: Birgit, einmal waschen bitte!

Ein kleiner Italiener

5. Januar 2011

Kaspar beim "Tauben treten" - Versuch 25

Vorurteile sind grausam. Sie degradieren ganze Völker zu einem meist äußerst schlecht schmeckenden Einheitsbrei. Doch warum gibt es solche? Bestimmt nur, um dann doch immer und immer wieder bestätigt zu werden. Und wenn es stimmt (natürlich!), was über Italiener gesagt wird, dann ist Kaspar einer. Hundertprozentig.

An Weihnachten war er also praktisch zu Hause, unser kleiner Italiener. Venedig, Winterurlaub. Und Kaspar redet. Mit allen. Mit dem Pärchen am Kaffeetisch gegenüber, mit der Bedienung, mit dem Vaporetto-Schaffner,  mit den Gondoliere („Gondola, Gondola“), mit fremden Touristenfamilien, denen er sich darüber hinaus noch freundlicherweise für rund 500 Meter Fußmarsch anschließt. Er redet sogar mit den Tauben am Markusplatz, die nicht stillhalten, wenn er sie „treten“ will. Und wenn Kaspar redet, redet er vor allem mit einem: mit Händen und Füßen.

Wenn da nicht nur dieses kleine Problem wäre: Kaspar spricht kein Italienisch. Und die Gesprächspartner sprechen kein Deutsch. Egal, Kaspar redet und die anderen nicken freundlich. Und tatschen. Ein wenig am Kopf. Dabei hatte Kaspar es doch gar nicht bestellt. Und was macht er? Dreht sich um und sackt weinend zusammen wie Materazzi nach seinem liebevollen Annäherungsversuch mit Zidane. Oder wie war das noch einmal mit den Vorurteilen, kleiner Italiener?