Archive for August 2011

Ei, ei, ei…

28. August 2011

An diesem Wochenende lag viel Testosteron in der Luft. Die Weder-Männer, oder besser gesagt Kaspar und ich, waren auf Tour in Sachen Regionalsport. Wie schon in den USA, als der College Football im Mittelpunkt stand, haben wir uns auch diesmal wieder auf  Eier fokussiert – in mehrfacher und teilweise auch nicht ganz jugendfreier Ausfertigung: das Rugby-Ei sowie die „Balls“ der einheimischen Zuchthengste.

Scrum - crouch, touch, pause, engage

Samstag ging es zusammen mit unserem Nachbarn „Dan the man“ (Erklärung in einem späteren Posting, zudem nicht zu verwechseln mit „Stan the van“) ins Stadion, um die Mooloos, das Waikato-Rugby-Team, anzufeuern. Ein spannendes Spiel. In der allerletzten Sekunde sicherte sich unser Team mit einem Try den notwendigen Extrapunkt (gibt einen mehr, wenn man mit 4+-Tries gewinnt, ist kompliziert…). Der jedenfalls wurde benötigt, um im Finale am kommenden Wochenende – pünktlich vor der Rugby-WM – zu spielen. Kaspar immer mittendrin mit Facepainting und einem Stadion-Hotdog, was hier einem Würstchen im Teigmantel am Stil bedeutet. Lustig: Nicht den muskelbepackten, riesigen, Angst einflößenden Rugby-Pros sondern dem Maskottchen, die Waikato-Kuh, wollte er nach dem Spiel nicht die Hand geben beim Abklatschen…Zum Finale werden wir wohl wieder dabei sein und fleißig anfeuern.

Eier Teil 2 gab es dann am Sonntag. Die „Stallion Parade“ in Cambridge, dem Reitsportmekka Neuseelands, war angesagt. Im Grunde  Thermodeckenverkaufstour für Pferdezüchter: Die Pferderennsportgestüte der Umgebung haben Tag der offenen Tür, die Termine für die Präsentationen der sprichwörtlich „besten Pferde im Stall“ sind über den ganzen Tag verteilt. Heißt: Ein Autokorso mit rund 50 Karossen macht sich auf, ein Gestüt nach dem anderen abzufahren, um die jeweiligen Zuchthengste, ihre Erfolge und die Erfolge ihrer Nachkommen anzupreisen. Mal dauert ein Stopp 1 Stunde, mal nur 10 Minuten, bevor sich die Blechlawine zum nächsten Gestüt aufmacht. Wir haben uns unter die Züchter gemischt und fleißig fachgesimpelt, sozusagen als deutsche Züchter auf der Suche nach dem nächsten Champion. Fündig sind wir dann aber nicht geworden. Ein Decksprung kostet hier rund 7.000 bis 12.000 NZ-Dollar, also rund 4.000 bis 7.000 Euro. Keine Ahnung, ob das billig ist für einen Champion. Wir jedenfalls geben unser Geld lieber anders aus: für einen leckeren Majo-Eiersalat aus dem Supermarkt.

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Aufgefasst

25. August 2011

Wir haben ja schon immer viel ausprobiert. Diesmal wollten wir es genau wissen: Wie fühlt sich ein Down-Under-Virus an? Denn wir haben erfahren, dass unser Körper auf europäische Bedrohungen eingestellt ist. Gegen die hiesigen NZ-Angreifer jedoch kennt sich unser Immunsystem nicht aus. Da hilft auch kein Centrum oder Actimel. Wahrscheinlich sprechen sie einfach eine andere Sprache.

Anstelle das Projekt in Eigenregie und im Selbstversuch durchzuführen, haben wir die Kids vorgeschickt. Mit Erfolg. Die beiden Kleinen haben sich Bakterien, Viren und andere klitzekleine, böse Erreger eingefangen, vermutlich – und wie sollte es anders sein – im Kindergarten. Das erste Experiment ist also geglückt – und wir können nun hautnah zu Hause miterleben, wie sich die Krankheitsbilder von Tag zu Tag ändern. Mal schlechte Verfassung, mal gute, mal Fieber, mal Husten, laufende Nase, immer schön anwechselnd mal Julius, mal Kaspar. Die Drogen sind dann aber doch überall die Gleichen: Antibiotikum, Wärme, Schlaf. Nachdem das Experiment also gut geglückt ist, haben wir uns vorgenommen, zur Gegenprobe ein paar Tage verstreichen zu lassen. Hoffentlich…

Stan the Van vs Julius

23. August 2011

Top-Ass – wie viele Stunden haben wir damit spielend verbracht, früher wie heute noch? Der Vergleich von Supersportwagen, die PS, die Zylinder, Hubraum. Da liegt Benzin-Duft in der Luft, der Asphalt glüht, die Kartenschlacht ist in vollem Gange.

Julius ist so gar nicht der Rennwagen. Der Krabbelspeed ist zwar manchmal wirklich überraschend, insbesondere wenn es in Richtung Würfel oder Karten geht. Dennoch, irgendwie haben wir manchmal das Gefühl, dass er unserem neuesten Familienmitglied, Stan „The Van“, in manchen Punkten frappierend ähnelt. Es wird daher Zeit für das Weder-Top-Ass und Stan the Van vs Julius. Und klar ist: Der Sieger steht schon fest…

Stan the Van              Julius

Baujahr: 1997                                      2010

Hubraum: 2.4 Liter                          Waschbärbauch

PS: zieht gut durch                              0,irgendwas

Geschwindigkeit: haut hin                     Laser-Krabbler

Verbrauch: zu viele Liter/100km        Brei, Toast, Bananen, Wasser

Seltenheitswert: rar                         unbezahlbar

Coolnessfaktor: hoch                           noch höher

Bes. Kennzeichen: Wederei-Sticker,    kein Rückwärtsgang,
tropft                                            tropft

Spitz(en)findig

16. August 2011

Lieber Julius,

warum machst Du das? Muss denn das sein? Muss erst etwas passieren? Oder willst Du, dass sich Dein Papa aufregen muss? Ich stelle Dir diese offenen Fragen, weil es mir einfach nicht in den Sinn will, warum Du Deine (Auf-)Stehversuche gerade immer, zielsicher an der einen, einzig gefährlichen Stelle in unser beschaulichen Hütte, der Ecke des Wohnzimmertisches (der im Übrigen sowieso schon an die Wand gerückt ist), betreiben musst.

Wie oft hole ich Dich dort weg? Und wie oft zieht es Dich wie ein Magnet wieder genau an diese Ecke? Dabei gibt es dort doch gar nichts Interessantes. Alles, was dort stand, haben wir entfernt. Und auch das Angebot für Deine Übungen rundherum ist doch nicht so schlecht: Couch, Hochstuhl, Fenster, Türrahmen usw.

Also bitte, kleiner, großer Grinser, weg von der Tischecke.

Danke für Dein Verständnis,

Dein Papa

Rassel-Tierpark gegen Schwert-Uschi

14. August 2011

Wer bei dieser Überschrift errät, um was sich dieser Beitrag dreht, ist entweder ein kreatives Genie, voll auf Droge oder heißt Titus (Grüße auf diesem Weg…:-)).  Heute haben wir Kaspar in die hohe Kunst des Schafkopf eingeführt. Oder besser gesagt ins Bayerische Blatt mit einer Partie Neunerln bzw. Mau-Mau. Eichel, Gras, Herz, Schellen – das war am Anfang ein wenig schwer zu merken. Daher hat er sich seine Karten selbst definiert:

Eichel = Schwert (sehr kreativ, aber wenn man genau hinschaut…)
Gras =  Wiese
Herz = Herz
Schellen = Rassel

Natürlich die „Sonderkarten“:

Ober = Obermann
Unter = Uschi (bei den Frisuren…)
König = Kaspar-König (eh klar…)
Schellen-As = Tierpark

Julius spielt übrigens auch schon mit: Er isst die Sechser…

Verkehr verkehrt

11. August 2011

Stan schlägt sich wirklich tapfer. Stan, das ist unser kleines, großes Van-Monster. Obwohl Stan mehr säuft als Charlie Sheen, älter zu sein scheint als Jopi Heesters und stärker wackelt als der Qualitäts-Pudding, den Hr. Ruß-Mohl für die Journalisten an die Wand nageln will (Anmerkung: Kommunikationswissenschaftler-Anekdote), wir lieben Stan. Und er gibt es uns zurück mit schönen Momenten auf neuseeländischen Straßen.

Auf diesen besagten Straßen herrscht Verkehr verkehrt. Heißt: Die Kiwis fahren auf der linken Straßenseite. Und da machen wir doch mal mit, dachten sich Stan und ich. Daran gewöhnt hat man sich schnell – ebenfalls an die zahlreichen Kreisverkehre und die schlecht bzw. schlicht asphaltierten Straßen. Hiergegen muten selbst Klagenfurts Schlaglöcher-Highways wie ein Daunenbett an. Allein bei zwei Situationen tun sich Stan und ich noch schwer: Dem Blinken und dem Rechtsabbiegen.

Stan ist eine Automatik-Kiste. Schalten ist nicht, macht Stan alles selbst. Doch manchmal wünsche ich mir die Gangschaltung zurück. Denn in stressigen Situationen würde ich die, im neuseeländischen Fall dann wohl linke Hand gerne auf dem „Knüppel“ liegen haben. Dann würde beim vermeintlichen Blinker-Setzen auch nicht ständig der Scheibenwischer angehen. Und nicht einmal Stan erinnert mich daran, dass Scheibenwischer und Blinker „vertauscht“ sind. Aber alles nicht so dramatisch. Scheint doch der Blinker bei manchen Autos und ihren Fahrern sowieso zur Sonderausstattung zu gehören – zumindest zu der, die noch nicht eingebaut ist.

Der zweite Problemfall in Sachen Autofahren in Neuseeland hingegen wiegt schon schwerer: das Rechtsabbiegen. In Neuseeland gilt Rechts vor Links. Kennen wir, können wir? Nicht ganz. Wir stellen uns vor: Stan und ich fahren auf der linken Seite und wollen rechts abbiegen. Wir müssen also die entgegenkommende Fahrbahn kreuzen. Daher heißt es geduldig warten auf die Lücke. Jetzt kommt das Spannende: Wollen Autos der Gegenfahrbahn ebenfalls in die Straße einbiegen, in die Stan und ich wollen, blinken diese links, aber fahren eben nicht gleich rein in die Straße, sondern halten an und lassen Stan und mich „vor“. Logisch, weil wir eben von rechts kommen, auch wenn wir dabei die Straße kreuzen. Und sie bleiben auch stehen, obwohl wir noch nicht einmal die Straße kreuzen, also noch stehen und auch noch keine Anstalten machen loszufahren.

Denn die Schwierigkeit dabei: Die Autos, die hinter dem Linksabbieger auf unserer Gegenfahrbahn fahren, interessiert das Halten des Vordermanns meist wenig. Wenn genug Platz ist, überholen diese das wartende Fahrzeug und fahren auf ihrer geraden Spur (und damit uns gegenüber natürlich auf ihrer Vorfahrtsspur) weiter. Dann müssen Stan und ich weiter warten. Egal, klingt kompliziert, ist auch so. Oder auch nicht. Also entweder aufmalen oder selbst kommen und ausprobieren.  Stan und ich zeigen Euch das gerne…

PS: Stan hat sich verschönert und ein „Buttlifting“ machen lassen. Die Wederei, nun auch präsent auf Neuseelands Straßen…

NACHTRAG (19.3.2012): Wie es scheint, liest die Neuseeländische Regierung meinen Blog. Oder so. Wie auch immer, mit 25.3.2012 wird genau die oben angesprochene Regel mit den Rechts-vor-Links bei bestimmten Abbiegesituationen entschärft bzw. verändert. Ob die vielen Unfälle mit Touristenbeteiligung dran Schuld sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls gilt nun: „The top of the T goes before me“ und „if you are turning right, give way“, nachzulesen unter http://www.giveway.govt.nz inkl. Videos, Beispielen, Grafiken perfekt aufgemacht, wie ich finde. Nur mein „Blinkproblem“, das krieg ich auch mit diesen Änderungen nicht in den Griff…

Herbert und die Zähne

5. August 2011

Jetzt ist es klar. Es fällt mir wie Schuppen von den Augen. Herbert, Du Genie. Aber mal ehrlich, von wegen tiefsinnig. Ist doch recht einfach gestrickt, eigentlich. Eine ganze Woche Julius’sche Wasserfälle, eine Woche Leiden und Qualen im Mund. Die Zähne kommen mit voller Gewalt. Und das ist, über was Du eigentlich singst, Herbert, gib es zu!!! Danke Julius für diese aufschlussreiche Woche. Auf geht’s Julius, der Durchbruch ist nah!!!

„Es gibt viel zu verlieren, Du kannst nur gewinnen
Genug ist zuwenig – oder es wird so wie es war
Stillstand ist der Tod, geh voran, bleibt alles anders
Der erste Stein fehlt in der Mauer
Der Durchbruch ist nah. DER DURCHBRUCH IST NAH.“

Herbert Grönemeyer, Bleibt alles anders

Hand und Fuß

3. August 2011
Kaspar schaut komisch

Was, die können kein Deutsch? Komisch...

Was muss das für ein eigenes, fremdes Universum für Kaspar sein, der Kindergarten in Neuseeland? Genau werde ich es wohl nicht erfahren. Knapp zwei Wochen ist er nun in der Campus Creche an der Uni of Waikato. Und Kaspar erobert das Universum Schritt für Schritt. So ähnlich wie 1969: That’s one small step for a man, one giant leap for Kaspar. Die morgentliche Abschiedsschluchzphase jedenfalls ist überwunden, jeden Tag kommt er mit einem Strahlen nach Hause – und mit neuen englischen Wörtern.

Mehr oder weniger ohne ein Wort Englisch haben wir den Kleinen dort hingeschickt. Und das nicht einmal mit zu großem schlechten Gewissen. Denn Kinder sind einfach geradliniger. Es hat alles Hand und Fuß, was Kaspar im Kindergarten macht. Im wörtlichsten Sinne. Was, die können kein Deutsch? Egal, Kaspar labert sie dennoch zu mit seinen Ideen, Plänen und Lustigkeiten. Und die Kids kommen bestens miteinander klar. Ohne Vorurteile, ohne Bedenken, ohne Zwischenzeilenlesenwollen. Auch das werde ich wohl in seiner Gesamtheit nie erfahren, aber so stelle ich mir das vor. Muss eigentlich herrlich sein…

Kindergarten ist Kindergarten, oder doch nicht?

Mal abgesehen von der Sprache ist Kindergarten in Hamilton dann doch ein wenig anders als Kindergarten in Klagenfurt oder Wien. Wenn Kindergarten in Hamilton VW Käfer ist, dann ist Kindergarten in Klagenfurt Lexus, mindestens. Denn während sich der „morgentliche Einlauf“ in den Kindergarten in Rot-Weiß-Roten Landen meist einreiht zwischen einem Ausschnitt aus „Austria’s next Kindermodell“ und einer Hello Kitty vs. Bob der Baumeister-Rosa-Blau-Gelb-Farbschlacht, ist hier in NZ das, was Kind trägt, aber so was von, sozusagen auf gut Englisch, „Blunzn„. Ebenfalls weg fällt die psychologische Diskussion, ob das Kleiderhakenzeichen „Apfel“ sich wirklich positiv auf die Entwicklung des Kindes auswirkt. Name, Haken, aus. Kein Turnsackerl, keine mit Namen beschrifteten Gatschhosen, keine Poolsicherheitspatschen. Wahrlich Luxusprobleme…

In Neuseeland ist alles etwas handgestrickter, bodenständiger. Das Haus der sogenannten Pre-School, in die Kaspar als 3,5jähriger geht (bzw. gehen darf, jaja, Kaspar, da steckt schon „Schule“ drin!!), präsentiert sich typisch Neuseeländisch, ebenerdig ohne Stockwerke, Typ großes Gartenhaus in Blechkonstruktion.

Für das Lunch müssen wir selbst sorgen, schneiden, streichen und belegen, was das Neuseeländische Toastbrotregal, sorry, die Toastbrotflure der hiesigen Lebensmittelläden hergeben. „Healthy food“ sollte es eigentlich sein. Aber genau haben wir noch nicht herausgefunden, wie sich das definiert. Irgendwie scheint Spagetti mit Fleischklößchen auch darunter zu fallen. Aber zur Verteidigung: Ebenso lang und breit wie die Toastbrotregale sind auch die Obst- und Gemüsetheken. An den Voraussetzungen scheitert Mission healthy food also nicht. Jetzt muss healthy food halt nur noch vom Kind auch gegessen werden. Schwierig.

Conclusio: Kindergarten hier ist nicht gleich Kindergarten da, zumindest nach außen. Doch so groß die Unterschiede auch sein sollten, eines ist in beiden Ländern gleich: Die Herzlichkeit und das Bemühen der „Tanten“ um die Kleinen. Für uns, das was wirklich zählt. Und das hat einfach Hand und Fuß.