Archive for September 2011

Meet the Robinsons

29. September 2011

Die Robinsons...

Das sind die Robinsons. Die Robinsons sind eine Familie aus Hamilton, Neuseeland. Klingt komisch, ist aber so. Die Robinsons wohnen direkt neben uns. Sie nennt man auch Vermieter. Für uns sind sie aber Freunde.

Der Große, das ist der Dan. Oder Dan the Man. Denn Dan ist ein echter Mann. Er kann nicht nur Nägel gerade in die Wand schlagen, sondern hat auch ein eigenes Zimmer. Ein Zimmer voller Männer-Spielsachen. Kommt ihr in das Zimmer, seht ihr schon den großen Beamer über dem 5-Sitzer-Leder-Sofa. Er wandelt das Signal der Sky-Sports-Channel um in buntes Licht und sendet das direkt an die große Leinwand auf der anderen Seite des Raumes. Neben dem Sofa steht auch noch ein Kühlschrank. Da ist nichts drin, außer Bier. Klingt komisch, ist aber so.

Das Dumme an Neuseeland ist, dass die großen Sportevents meist immer in Europa oder den USA stattfinden – und daher immer, wenn Dan schläft. Deshalb hat Dan einen Rekorder, mit dem er die ganzen Sportübertragungen aufnehmen kann, um sie später anzusehen. Toll, nicht. Und Dan hat einen neuen Freund mit großen Augen, Stefan heißt der. Er hat sich vorgenommen, doch einige Zeit mit Dan zu verbringen. Zum Glück findet ja auch gerade die Rugby-WM statt, zufällig auch in Neuseeland. Praktisch…(Go All Blacks!!).

Die einzige Frau heißt übrigens Tania. Sie ist die gute Seele im Haus. Sie kann ganz toll rechnen. Zum einen ist unsere Miete immer richtig angegeben, zum anderen arbeitet sie an der Universität im Statistik-Lehrstuhl. Da hat sie immer mit vielen Zahlen zu tun. Klingt komisch, ist aber so. Und Tania hat eine neue Freundin, Franzisca heißt die. Und wenn Stan the Van mal nicht will, fahren sie auch gemeinsam an die Uni.

Zählen muss Tania auch zu Hause gut können, zumindest bis drei. Denn Tania hat drei Söhne: Matt, Cameron und Gabriel. Oder Matt, Cam und Gabe. Sie sind 12, 10 und 8 Jahre alt. Auch sie haben einen neuen Freund, Kaspar heißt der.  Und er macht große Augen. Denn Matt, Cam und Gabe sind große Jungs, wie ihr Dad mit coolen Spielsachen: Trampolin, Fußballtore, Rugby, jede Menge Bälle, Swimmingpool, eine Art selbstgezimmerte Seifenkiste, Scooter, eine Daddelkonsole mit Spielen, Disney-DVDs und vieles mehr. Und Kaspar darf damit spielen. Aber Kaspar darf vor allem mit den großen Jungs spielen. Bubenherz, was willst Du mehr…Stefan fände die Kids auch voll in Ordnung, würden sie nicht immer diese Fußballtrikots von Mannschaften und Spielern tragen, die einem deutschen Fußballfan ein wenig auf den Magen schlagen: Torres, Pirlo, Spanien, Italien, Liverpool, Chelsea, Manchester United. Da wird wohl zur Missionierung ein Xmas-Import aus Deutschland fällig…

Der letzte bei den Robinsons ist Buzz, der Kater. Er jagt schon wieder Vögel und Hasen, die er den Robinsons gerne mal vorbei bringt. Deshalb ist er auch nicht auf dem Foto. Die Robinsons freuen sich darüber nicht so sehr. Buzz aber ist das egal. Buzz hat gleich zwei neue Freunde, Kaspar und Julius heißen die. Streicheln lässt sich Buzz gerne, Schwanzzupfen gefällt ihm da schon weniger. Ach ja, und da ist auch noch der tierische Austauschstudent. Milky sein Name, ein Lamm. Er kam zu den Robinsons mit zwei Wochen, hat trainiert für den „Ag Day“, den Landwirtschaftstag an der Schule von Cam. Morgen ist die große Prämierung. Dann wird uns Milky wieder verlassen. Als Tier, nicht als Steak – und das ist hier auch schon einmal was…

So, das waren die Robinsons. Und wenn ihr ganz artig seid, dann nimmt Euch Dan the Man vielleicht mal mit in sein Reich.

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Kinder verstehen – ein Lesetipp

14. September 2011

Kinder zu verstehen gleicht manchmal einer bevorstehenden 8000er-Besteigung: Schwer, aber machbar. Einen Versuch, dies pädagogisch in Worte zu fassen, macht das kostenlose E-Book „Was Kinder wirklich wollen“. Vincent Schmalbach von readup.de hat mich letzte Woche darauf aufmerksam gemacht. Und wer so nett fragt, der hat auch einen Post verdient…Der Ratgeber wurde nach seiner Aussage von einer erfahrenen Pädagogin verfasst und richtet sich v. a. an Eltern mit jüngeren Kindern. Nach den ersten Eindrücken (ich habe kurz reingelesen) erscheint es mir ganz sinnvoll, die Tipps an seiner eigenen Person und im Umgang mit seinen Kinder widerzuspiegeln und sich und die Erziehung zu hinterfragen. LeserInnen sollten sich aber am besten selbst ein eigenes Urteil erlauben.

Hier der Infotext zum Ratgeber:

Seinem Kind stets die optimale Kindererziehung angedeihen zu lassen, ist oft nicht so leicht. (…) Im Wesentlichen benötigen Kinder, neben einer Abdeckung der Grundbedürfnisse auch Liebe, Anerkennung und Lob. Regelmäßiges aktives Zuhören gepaart viel gemeinsamer Zeit sollten auch ein Bestandteil der Erziehung sein. Doch wie regiert man, wenn das eigene Kind einen auf die Palme bringt? (…) Alles in allem kann gesagt werden, dass das Vorangehen mit gutem Beispiel durch die Eltern, für die richtigen Verhaltensweisen des Kindes der Schlüssel zum Erfolg ist. Weitere Infos im Ratgeber unter http://www.readup.de/on/kinder.

Ach, wär ich doch noch mal jung

11. September 2011

Na dann also doch. Wir hatten es ja kaum glauben wollen, doch jetzt ist sie endlich eingetroffen, die Eifersucht. Zwar nicht schön eingepackt und mit großen, roten Schleifen versehen, aber doch mit starken Emotionen. Vor ein paar Monaten sah das noch nach Friede-Freude-Eierkuchen aus. Doch jetzt will Kaspar auch noch einmal jung sein. Ein Baby. Ein bisschen Schreien hier, ein wenig Kuscheln auf Mamas Schoss da, von Papa getragen werden dort. Und wir sind in der elterlichen Bredouille, dem zu entsprechen, gleichzeitig aber auch das Tolle am Großsein zu erklären. Die elterliche Quadratur des Kreises.

Was uns bei dieser Rechenaufgabe hilft: Kaspars Eifersucht richtet sich in all seinen Ausprägungen immer gegen uns. Julius bekommt sein Fett nicht ab, auch wenn er der eigentliche Grund des Babygehabes von Kaspar ist. Solange es so bleibt, darf Kaspar gerne weiter wieder jung sein. Schließlich ist er dann auch rasch wieder „alt“, wenn die Nachbarjungs zum Fußball- oder Rugby-Spielen kommen, wenn es große Klettergerüste auf Spielplätzen zu erklimmen gibt oder die „Preschool“ ruft. Und welch Ironie das ganze Jungsein-Wollen beinhaltet, erkläre ich dem Dreijährigen dann wohl in ein paar Jahren – oder wenn er in mein Alter kommt…

5 Dinge, warum Neuseeland Österreich ist

6. September 2011

Sie liegen so weit auseinander, und doch ähneln sich unsere beiden derzeitigen Heimatländer in vielen Belangen. Hier nach einer Zeit Beobachtung das erste Fazit mit unserer eigenen, deutschen Kommunikationsbrille: fünf Dinge, warum Neuseeland Österreich ist, und andersrum.

Grund 5: Beide Länder sprechen fremde Sprachen!!
Schon der österreichische Journalist Karl Kraus soll gesagt haben: „Der Österreicher unterscheidet sich vom Deutschen durch die gemeinsame Sprache!“ Beim „Kiwi“ wiegt der Unterschied zu „unserem“ Deutsch noch deutlicher, er spricht englisch. Relativ verständlich, aber doch anders, und für die Kinder umso mehr: Statt dem Kärntnerischen „Maaaaa“ gibt es jetzt nur noch ein langgezogenes „Nooooooo“.

Grund 4: Ein Zentrum, viel drumrum!!
Wien heißt das Zentrum Österreichs, Auckland das von Neuseeland. Drum herum liegen auch noch andere Orte und Regionen, zum Beispiel Klagenfurt oder Hamilton. Die jedoch reihen sich von der Bedeutung gehörig weit dahinter ein – vor allem wirtschaftlich und politisch, von der internationalen Bekanntheit gar nicht zu sprechen. Und sie haben gemeinsam: Sie sind neidisch, böse, stinkig oder wie man es beschreiben mag auf den jeweiligen „nationalen Wasserkopf“. Dafür herrscht „draußen“ eine hohe regionale Verbundenheit und Identifizierung, auch was.

Grund 3: Telekom in beiden Ländern im Medien-Rampenlicht!!
Während der österreichische Ex-Monopolist mit Korruption und Politikerbestechung zu kämpfen hat, macht das neuseeländische Pendant zur Rugby-WM mit einer geplanten Sex Kampagne oder besser Anti-Sex-Kampagne („abstain for the All Blacks“, frei übersetzt „Lieber All Blacks als Sex“) auf sich aufmerksam und in den Medien und der Öffentlichkeit gehörig durch den Kakao gezogen wurde mit Facebook-Gruppen wie „Banging for Black“ als Gegenpol zur offiziellen Telecom-Unterstützer-Fansite „Backing Black“. Ach ja, und der Vorwurf der Ausnutzung der Monopolstellung und des nicht gerade zügigen Ausbaus neuer, schnellerer Breitband-Strukturen, die gibt es offenbar überall.

Grund 2: Beide Länder sind fanatische Randsportliebhaber!!
Während Neuseeland auf Rugby und Rudern setzt, baut Österreich auf Skifahren und Skispringen. Diejenigen, die es dort zur Nummer 1 schaffen (und manchmal ist nicht einmal das notwendig), sind große Stars in ihrem Land, international jedoch in vergleichsweise kleinem Rahmen.

Grund 1: Beide Länder sind eine Insel!!
Während Austria is a too small country  to make good corruption, sich in seinen eigenen vier Wänden aber wunderbar wohlfühlt und oftmals in Entscheidungen eigene Wege geht, die nicht immer zwingend mit EU-Kriterien übereinstimmen müssen, gestaltet sich Neuseeland schon geographisch als Insel – und das spürt man auch. Selbstversorgermentalität pur. Was drumrum passiert, interessiert wenig, ist ja auch weit weg – hier wie dort.