Archive for Oktober 2011

Jo, wir schaffen das…

30. Oktober 2011

Er ist der Held aller Jungs, denn er ist smart, teamfähig, freundlich, hilfsbereit und vor allem handwerklich begabt. Er ist Bob der Baumeister. Für die älteren Semester unter den Leserinnen und Lesern: Bob der Baumeister ist in etwa wie Mike Krügers Bodo, nur auf Knetmasse-Zeichentrick. Er fragt sich immer: Können wir das schaffen? Die Antwort: Jo, wir schaffen das. Und dann baut er, baggert, schaufelt, hämmert, bohrt. Kurz er ist ein echter Teufelskerl. In der Rolle des Bob sind Kaspar und ich über den Sandkasten bisher nicht hinausgekommen. Ein paar Burgen, Häuser, Tunnel und Kugelbahnen gehen auf unser Konto. Im Kleinformat, Auf geschätzten 1,5 x 1,5 Metern.

Jetzt aber haben wir „Dan the man“ als Nachbarn. Und unser persönlicher Bob ist viel cooler als der gepinselte Gelbhelm aus der Serie. Heißt: Kaspar und Papa wurden abkommandiert. Was normalerweise als Arbeit durchgeht, war für uns das reinste Vergnügen.

Auftrag 1: Rasen mähen mit einem kleinen Traktor. Piece of cake, fährt sich gemütlich, das Teil, ruhige Kugel. Bei Dan sieht das schon anders aus: Er startet immer mit einem Wheelie.

Dann noch Auftrag 2: Beete anlegen. Heißt auf neuseeländisch: Erde in Schubkarren baggern, zum Ziel fahren, ausleeren und retour. Das schöne dabei: Nach dem Schubkarrenfahren durften wir auch das Baggerfahren ausprobieren. Da würde sogar Bob neidisch, da bin ich mir sicher.


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Da

29. Oktober 2011

Er ist ein Jäger, der Julius. Ganz wie seine Steinzeit-Vorgänger ist er auf der Pirsch nach Essbarem, dauerhaft, rund um die Uhr. Sobald Julius Essen wittert, folgt die gewohnte Reaktion: Der Arm inklusive Zeigefinger wird ausgefahren, ein schallendes „Da“, oft in zigfacher Wiederholung, klingt durch den Raum, begleitet von rhythmischem Körper-nach-Vorne-Schmeißen. Dann wird „erlegt“. Und wie damals muss auch bei uns vor allem die Frau das Essen zubereiten.

Während Kaspar eher zu den erlesenen Nahrungsliebhabern mit eingeschränktem Speisenrepertoire gehört, gibt es fast nichts, was nicht in Julius reingeht. Und auch drinbleibt. Fleisch, Beilagen, Cracker, Brot. Er isst sogar Vegemite, das üblicherweise hier in Down Under nur die „Einheimischen“ lieben. Na klar, die neuen Mause-Zähnchen müssen ja auch ordentlich ausgetestet werden. Das Ergebnis: Der Mops ist ein Mops ist ein Mops. Nur unserer kam nicht in die Küche, und er stahl dem Koch auch kein Ei. Unser lieber Mops bekommt das freiwillig.

Machen Sie bitte eine typische (Hand-)Bewegung, heute zum Thema Essen...

Ausgebrochen

27. Oktober 2011

Mit Neuseeland und uns ist es wie mit einem Vulkan: Lange waren wir ruhig, aber jetzt sind wir ausgebrochen. Los geht’s. Die Insel will erobert werden. Trotz Kids hinterlassen wir aber deutlich weniger Zerstörung als die eben genannte Naturerscheinung. Will ich zumindest hoffen. Erste Ziele der letzten Wochenenden, und wie könnte es anders sein: die berühmte und berühmt berüchtigte Vulkangegend auf der Nordinsel rund um die Städte Taupo und Rotorua.

Taupo ist ein Stadt am größten See Neuseelands, der zufällig genauso heißt wie die Stadt. Der See ist eigentlich ein Vulkankrater, der sich mit Wasser gefüllt hat. Da drinnen: Forellen noch und nöcher. Der Grund, warum Taupo auch als die Trout Fishing Hauptstadt Neuseelands gilt. Hat nur 30.000 Einwohner, im Sommer verdoppelt sich die Anzahl.

Rotorua ist hingegen das touristische Epizentrum Neuseelands. Auch hier sind die Seen interessant, mehr aber noch ist Rotorua bekannt für seinen konstanten Schwefelgeruch und die Maori Villages, die das Leben und Treiben der ältesten Neuseeländer (nicht Einheimische!!) zeigen. Wir waren noch drin, fühlt sich aber ein wenig an wie die touristisch-triefenden Operetten- und Wienerlied-Darbietungen in Grinzing. Wir werden uns noch einmal selbst überzeugen. Diesmal war Entspannung angesagt.

Aufgrund fehlender kultureller Schätze wird auf zwei Säulen gesetzt: Natur und Action. Es gibt eigentlich kaum etwas, was in den beiden Städten Abenteuer-mäßig nicht machbar wäre: Bungee-  oder Fallschirmspringen, Sommerrodeln, Wassersport aller Art, Rundflüge, Jetboat-, Quads- und 4W4-Touren, Reiten, Tiere…  Das Jungs-Eldorado schlechthin. Wir haben uns dann im Vergleich zum Angebot ein eher ruhiges, „ausbruchsfreies“ Programm zusammengestellt: Prawn Fishing, Wasserfälle schauen, Schifferlrundfahrt, Honig- und Vulkanmuseeum sowie ein Rundgang in einem Schwefel-Geysir-Gebiet in Taupo, Forellen-Fischen, Hot Pools, Sommerrodeln und Wasserskifahren in Rotorua bzw. am Lake Rotoiti. Kurz gesagt: Ein Ausbruch, der gefallen hat – und umso schwerer in Worte zu fassen ist. Daher die Wederschen Vulkanerlebnisse in Bildern hier.

Coco

25. Oktober 2011

Nach dem Hairday im Kindergarten nun auch zu Hause: Kaspar wollte seine Haare wie ein VIP. Dass er dabei ausgerechnet Coco, dem Kelloggschen Werbeaffen ähneln wollte, war nicht geplant. Aber gut…

Kaspar Coco

Zwei in einem Raum

19. Oktober 2011

Quatsch machen in der Kinderhöhle

Er hatte es sich schon so lange gewünscht. Es war Kaspar eine Herzensangelegenheit, mit seinem Bruder in einem Zimmer zu schlafen. Noch in Klagenfurt musste Julius‘ Bett für ein paar Nächte probeweise in seinem Schlafgemach geparkt werden, in Neuseeland hingegen ist es aufgrund des Platzangebots in unserer „Unit“ gar nicht anders möglich. Zwei Kids, ein Raum. Und siehe da: Es klappt richtig gut.

Wenn Kaspar schläft, schläft er wie ein Stein. Er bekommt gar nicht mit, wenn Julius sich auf seine nächtlichen Krabbelwanderungen in Richtung Elternschlafzimmer begibt. Weiterer Vorteil: Die beiden Kids interagieren immer mehr miteinander, „machen Quatsch“ wie sie es nennen. Da werden dann Schubladen gemeinsam ausgeräumt, Matratzen verzogen, Klamotten malerisch im Zimmer verteilt. Und das bei lautestem Gekicher.

Die andere Seite: Wenn Kaspar etwas spielen will, dann will er es auf seine Weise spielen. Ein dazwischen laufender Bruder, der alles anfingert und zerstört, kommt da nicht gerade gelegen. Und nachdem Julius nun schon versteht, was „Nein“ heißt (zumindest nach dem 3.-5. Mal), fängt dann dieser Knabe ein wenig zu bocken an. Aber ist ja auch eine Form von Interaktion.

Verbesserungswürdig

11. Oktober 2011

OK, ich gebe es ja schon zu: Meine Aussprache im Englischen ist alles andere als Englisch. Geschweige denn Neuseeländisch. Dass ich mich deshalb von meinem kleinen, dreijährigen Sprachgenie verbessern lassen muss, ist schon schwer zu ertragen. Kaspar lernt in seiner Preschool fleißig, und bringt dazu die richtige Kiwi-Aussprache gleich mit nach Hause. Irgendwie alles recht breit ausgesprochen. Aber wo er recht hat, hat er nun einmal recht – und daher soll mir das recht sein. Es heißt hier halt einfach nicht „red“ sondern „reeed“, lang und breit gezogen. Schwarz ist auch nicht „bläck“ sondern „blaaaque“. Und das „y“ am Ende sollte auch eher nach „eai“ klingen, sagt Kaspar. Also nicht „Milki“ sondern „Milkeai“. Darauf gibt es eigentlich nur eine Antwort: „Whatever!“ Und solange Kaspar noch nicht versteht, was das heißt, soll mir auch das recht sein.

ABBA

5. Oktober 2011

Wer glaubt, hier als Super Trouper mit Fernando sein Waterloo zu erleben oder einen Mann nach Mitternacht zum Voulez-vous zu bekommen, der irrt. Es geht auch nicht um IKEA oder Midsommar. Es ist viel einfacher: Julius fängt langsam zum Sprechen an. Mama oder Papa wäre ja noch relativ leicht. Doch er hat auch einen Bruder, dessen Name schwierige Zisch- und Plopplaute beinhaltet, Kaspar. Und da dies mit so wenig Übung und so wenig Zähnen noch nicht so wirklich funktioniert, wird aus Kaspar einfach ABBA. Oder passt es vielleicht doch? Manchmal ist Kaspar wirklich eine kleine Dancing Queen.

ABBA

Ag Day

4. Oktober 2011

Ag Day - Spannung vor dem Wettbewerb

Wir werden immer mehr Kiwi. Mittendrin statt nur dabei. Zuerst Rugby, nun Ag Day. Ag Day ist die Kurzform für Agricultural Day – und der fand zuletzt an der Tamahere Model Country School statt, der Schule unserer Nachbarsjungs. An diesem Tag geht es um den wichtigsten Zweig der neuseeländischen Wirtschaft, der Landwirtschaft. Im Mittelpunkt: Lämmer, Kälbchen und Gemüse- und Getreidekunst.

Der Ag Day ist aber nicht einfach eine Landwirtschaftsmesse. Am Schulgelände findet ein beinharter Wettbewerb statt. Kinder, Eltern und Lämmchen sind bis unter die Hutkante motiviert. Das Ziel: Eines der begehrten „Ribbons“ zu ergattern. Während die aus Gemüse und Getreide geschnitzten, gebastelten und ausgestellten Kunstwerke begutachtet und dann prämiert wurden,  floss in den Tier-Disziplinen richtig Schweiß und Blut.  Drei unterschiedliche Aufgaben waren zu bewältigen: Freies Gehen, Leinenführung und Zucht-Wissen. Erinnerte irgendwie an Hundeerziehung, nur mit anderen Tieren. Ganz in weiß gekleidet: die Juroren, die auf jeden noch so kleinen Ungehorsam des Tieres oder fachliche Unwissenheit der kleinen „Breeder“ mit Punktabzug reagierten. Dementsprechend erwartungsvoll wurde den Ergebnissen entgegen gefiebert. Und die Sieger, die dürfen sich am kommenden Wochenende in einer Regionalausscheidung mit den Siegern anderer Schulen messen.

Für unbedarfte europäische Städter wie uns war das ein besonderes Erlebnis. Kaspar wollte alles genau wissen, Julius war überwältigt von den vielen Lämmern, sind diese Tiere doch äußerst geduldig und spüren dank der dicken Wolle kaum, dass sie nicht gestreichelt sondern eigentlich gerupft werden…

Zur Vorbereitung auf den Ag Day trainierte Cam, der Nachbarsjunge, im Garten bei uns mit Milky, dem Nachbarslamm, rund vier Wochen lang. Leider ohne Erfolg: Milky ging leer aus. Ob das aber bedeutet, dass er bald als Chops auf dem Grill landet, entzieht sich meiner Kenntnis. Und apropos Essen und gegessen werden: Früher gab es am Ag Day noch mehr Tiere. Aber nachdem vor ein paar Jahren ein Hund einmal eine Katze gefuttert hatte, wurden diese Tiere aus dem Programm gestrichen…

Cam und Milky beim "Leading"

Fachtalk unter Züchtern...Kaspar, Franzisca und Dan

Soccer-Rugby

4. Oktober 2011
Soccer

Kaspar - diesmal beim Soccer, und mit Zunge

Neuseeland ist eine Rugby-Nation. Voll und ganz, durch und durch. An die nationale Beliebtheit der All Blacks reicht keiner heran. Noch dazu, wenn gerade Rugby-WM im eigenen Land ist. Ungefähr so wie bei den Skifahrern in Österreich. Kaspar macht sich gerade auf, der erste deutsche All Black zu werden. Gut, wenn man „sich aufmachen“ wörtlich nimmt, ist er wohl grade erst beim Packen. Aber er hat ja noch Zeit.

Jedenfalls kommt er immer mehr dahinter, wie das Spiel funktioniert – und das will etwas heißen. Schließlich tu ich mich auch noch schwer, die feinen Unterschiede zwischen offside, player off feet und not releasing the ball zu erkennen. Training gibt es so gut wie täglich: Draußen wird mit den Nachbarjungs oder mir fleißig getackelt und getoucht. Es gibt nur ein Problem: Kaspar liebt Rugby so sehr, dass er es auch dann noch spielt, wenn wir oder alle anderen die Sportart schon längst gewechselt haben. Sprich auch beim anschließenden Fußball wird geklammert, gezerrt und getackelt, was die Knochen hergeben.

Dass dies nicht allen immer gefällt, scheint klar, auch abzüglich Kaspar-Kükenbonus. Kleinere Beulen oder blaue Flecken sind keine Seltenheit. Das Schluchzen aber nimmt von Mal zu Mal ab. 30 Sekunden weinen, schauen, ob auch noch alle Teile dran sind, abputzen und weiter. Also durch und durch Rugby, mal abgesehen vom Weinen. Oder doch Soccer und Andy-Möller-Syndrom? Ach nein, der wurde ja gar nicht berührt…