Posts Tagged ‘Englisch’

Hang nach Osten

19. April 2012

Die fabulösen Weder-Boys: Beliebtes Foto-Motiv für Asiaten


Ich weiß nicht, was es ist. Vielleicht der Charme? Die offenen Arme? Das gebrochene Englisch? Auf jeden Fall haben Kaspar und Julius einen starken Hang nach Osten. Zumindest, wenn es um die Auswahl der Lieblings-Betreuerinnen im Kindergarten geht. Unabhängig voneinander. Jedoch mit dem gleichen Ergebnis: Ohne freundliche Asiatinnen geht es nicht. Was für Julius Sarah und Kathy, ist für Kaspar Yoshie. Sie waren und sind die Haupt-Bezugspersonen der beiden Jungs.

Verwundern tut dies eigentlich aber auch nicht. Der Asien-Anteil in Neuseeland ist von je her sehr hoch. so auch im „Kindy“ der Jungs. Insbesondere bei Japanern ist die Insel beliebt, liegt sie doch praktisch fast in der gleichen Zeitzone und bietet neben schönen Landschaften auch eine gewisse Sicherheit, die insbesondere die Eltern von Studierenden aus dem Land der aufgehenden Sonne geschätzt wird.

Auf jeden Fall wird diese Verbundenheit unserer Kinder auch von den Asiaten geschätzt. Das zeigen nicht zuletzt die zahlreichen Fotos, die von den Kids auf unseren Touren von asiatischen Touristen geschossen wurden. Insbesondere Julius‘ rote Haare waren der Hingucker. Hätten wir für jedes Bild von ihm einen Dollar genommen, wäre damit schon das ein oder andere Rugby-Ticket drin gewesen. Oder zumindest eine schöne Portion Sushi.

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Verbesserungswürdig

11. Oktober 2011

OK, ich gebe es ja schon zu: Meine Aussprache im Englischen ist alles andere als Englisch. Geschweige denn Neuseeländisch. Dass ich mich deshalb von meinem kleinen, dreijährigen Sprachgenie verbessern lassen muss, ist schon schwer zu ertragen. Kaspar lernt in seiner Preschool fleißig, und bringt dazu die richtige Kiwi-Aussprache gleich mit nach Hause. Irgendwie alles recht breit ausgesprochen. Aber wo er recht hat, hat er nun einmal recht – und daher soll mir das recht sein. Es heißt hier halt einfach nicht „red“ sondern „reeed“, lang und breit gezogen. Schwarz ist auch nicht „bläck“ sondern „blaaaque“. Und das „y“ am Ende sollte auch eher nach „eai“ klingen, sagt Kaspar. Also nicht „Milki“ sondern „Milkeai“. Darauf gibt es eigentlich nur eine Antwort: „Whatever!“ Und solange Kaspar noch nicht versteht, was das heißt, soll mir auch das recht sein.

Hand und Fuß

3. August 2011
Kaspar schaut komisch

Was, die können kein Deutsch? Komisch...

Was muss das für ein eigenes, fremdes Universum für Kaspar sein, der Kindergarten in Neuseeland? Genau werde ich es wohl nicht erfahren. Knapp zwei Wochen ist er nun in der Campus Creche an der Uni of Waikato. Und Kaspar erobert das Universum Schritt für Schritt. So ähnlich wie 1969: That’s one small step for a man, one giant leap for Kaspar. Die morgentliche Abschiedsschluchzphase jedenfalls ist überwunden, jeden Tag kommt er mit einem Strahlen nach Hause – und mit neuen englischen Wörtern.

Mehr oder weniger ohne ein Wort Englisch haben wir den Kleinen dort hingeschickt. Und das nicht einmal mit zu großem schlechten Gewissen. Denn Kinder sind einfach geradliniger. Es hat alles Hand und Fuß, was Kaspar im Kindergarten macht. Im wörtlichsten Sinne. Was, die können kein Deutsch? Egal, Kaspar labert sie dennoch zu mit seinen Ideen, Plänen und Lustigkeiten. Und die Kids kommen bestens miteinander klar. Ohne Vorurteile, ohne Bedenken, ohne Zwischenzeilenlesenwollen. Auch das werde ich wohl in seiner Gesamtheit nie erfahren, aber so stelle ich mir das vor. Muss eigentlich herrlich sein…

Kindergarten ist Kindergarten, oder doch nicht?

Mal abgesehen von der Sprache ist Kindergarten in Hamilton dann doch ein wenig anders als Kindergarten in Klagenfurt oder Wien. Wenn Kindergarten in Hamilton VW Käfer ist, dann ist Kindergarten in Klagenfurt Lexus, mindestens. Denn während sich der „morgentliche Einlauf“ in den Kindergarten in Rot-Weiß-Roten Landen meist einreiht zwischen einem Ausschnitt aus „Austria’s next Kindermodell“ und einer Hello Kitty vs. Bob der Baumeister-Rosa-Blau-Gelb-Farbschlacht, ist hier in NZ das, was Kind trägt, aber so was von, sozusagen auf gut Englisch, „Blunzn„. Ebenfalls weg fällt die psychologische Diskussion, ob das Kleiderhakenzeichen „Apfel“ sich wirklich positiv auf die Entwicklung des Kindes auswirkt. Name, Haken, aus. Kein Turnsackerl, keine mit Namen beschrifteten Gatschhosen, keine Poolsicherheitspatschen. Wahrlich Luxusprobleme…

In Neuseeland ist alles etwas handgestrickter, bodenständiger. Das Haus der sogenannten Pre-School, in die Kaspar als 3,5jähriger geht (bzw. gehen darf, jaja, Kaspar, da steckt schon „Schule“ drin!!), präsentiert sich typisch Neuseeländisch, ebenerdig ohne Stockwerke, Typ großes Gartenhaus in Blechkonstruktion.

Für das Lunch müssen wir selbst sorgen, schneiden, streichen und belegen, was das Neuseeländische Toastbrotregal, sorry, die Toastbrotflure der hiesigen Lebensmittelläden hergeben. „Healthy food“ sollte es eigentlich sein. Aber genau haben wir noch nicht herausgefunden, wie sich das definiert. Irgendwie scheint Spagetti mit Fleischklößchen auch darunter zu fallen. Aber zur Verteidigung: Ebenso lang und breit wie die Toastbrotregale sind auch die Obst- und Gemüsetheken. An den Voraussetzungen scheitert Mission healthy food also nicht. Jetzt muss healthy food halt nur noch vom Kind auch gegessen werden. Schwierig.

Conclusio: Kindergarten hier ist nicht gleich Kindergarten da, zumindest nach außen. Doch so groß die Unterschiede auch sein sollten, eines ist in beiden Ländern gleich: Die Herzlichkeit und das Bemühen der „Tanten“ um die Kleinen. Für uns, das was wirklich zählt. Und das hat einfach Hand und Fuß.