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5 Dinge, die wir an NZ NICHT vermissen werden…

30. Mai 2012

Du kannst am schönsten Fleck der Erde sein, und dennoch ist nicht alles perfekt. Bei Neuseeland und uns ist das nicht anders. Teil 1 des NZ-Resumees – und die Top 5 der Dinge, die wir an NZ nicht vermissen werden:

5) 100 % pure?
Es ist der Slogan von Neuseelands Tourismus: 100 % pure. Die Bilder dazu: Bergseen, weite, grüne Landschaften, Meer und Weite. Teilweise mag das stimmen, das Gesamtbild der Inseln schaut aus unserer Sicht jedoch anders aus: Neuseeland ist angelegt, Land- und Holzwirtschaft die bestimmenden Faktoren. Wo früher Wälder en masse standen, gibt es grüne Weidefläche oder Monokulturen. Zwar dank der hügeligen Landschaft auch hübsch anzusehen, aber nicht pure. Dazu: Die meisten Gebiete sind eingezäunt, Privatwege, klar festgelegte Wege und Routen. Zudem trübt das im Vergleich zu Europa gefühlt schwache Umweltbewusstsein das Bild der Reinheit: Eine Flut von Plastiksackerl beim Einkaufen (und fragende Blicke, wenn wir diese abgelehnt haben), SUVs und „alte Kisten“ bestimmen die Szenerie auf den Straßen. Zumindest das Recycling ist in Ordnung: So wird eines der Kiwi-Hauptnahrungsmittel, Fish&Chips, in altes Zeitungspapier eingewickelt…

4) Kulinarische Köstlichkeiten
OK, es war uns schon klar, dass Neuseeland international nicht gerade für seine kulinarischen Spezialitäten bekannt ist. Aber was wirklich übrig bleibt: Während Salz und Gewürze in den meisten Gerichten fehlen, gibt es eines im Überfluss: Toast. Kiwi-Spezialität am Fingerfood-Buffet: Grüner Spargel in Toast. Spezialität beim Kinder-BBQ: Grillwürstl in Toast. Spezialität für Kinder zu Mittag im Kindergarten: Spagetti in Toast. Und fehlt einmal Dämmmaterial beim Hausbau – ich denke, auch hier findet sich bestimmt ein weiteres Einsatzgebiet für den laschen Brotersatz…

3) Autoabhängigkeit
Ein Bein für einen Radweg, nein, mir würde schon ein anständiger Gehweg reichen. In Neuseeland ist alles auf das Auto ausgelegt. 1 Meter raus aus der Stadt und Du bist verloren als unmotorisierter Zweiradler. Eine Rad-Tour mit Kaspar ist vom Adrenalin wohl knapp unter meinem Bungy-Sprung angesiedelt. Abstand halten zum Radler? Wozu? Runter von Gas? Warum? Das Auto regiert. Hat es mal ein paar Macken und muss serviciert werden, gibt es ein echtes Problem. Naja, für uns war es das zumindest. Die meisten Kiwis haben ja eh zwei Autos…Was aber verwundert: Wenn schon alles so Auto-fixiert sein muss, warum sind die Straßen denn dann soooo schlecht? Aber auch hier gibt es einen Vorteil: Durch das ständige Ruckeln und Hüpfen aufgrund der Unebenheiten und Schlaglöcher sind die Kids auf unseren Touren meist recht schnell eingeschlafen…

2) Lebenshaltungskosten
Auf die Frage, warum die Bierpreise in Neuseeland so hoch sein, soll ein Wirtschaftskapitän einmal gesagt haben: „Weil die Leute bereit sind, so viel zu zahlen!“ Fair enough – und nur ein Beispiel. Aber die Lebenshaltungskosten sind, insbesondere im Vergleich zum (möglichen) Verdienst, immens, abgeschiedene Insellage hin oder her. NZ kämpft derzeit gegen eine Emigration von Kiwis in Richtung Australien, wo für den gleichen Job oftmals das 3- bis 5-fache gezahlt wird, branchenabhängig. Würde mich auf jeden Fall nicht wundern, wenn das „System“ hier irgendwann einmal zusammenbricht. Uns hat Neuseeland jedenfalls ein großes Loch in die Kassen gebrannt. Aber das ist erstens etwas anderes als „Halbtouristen“, die wir waren, und zweitens war es jeden Cent wert!!!

1) Das Wetter
Gut, es war der schlechteste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Dafür kann Neuseeland nichts. Aber gemacht für Insel-Klima sind wir nicht. Zumindest nicht für das gesamte Jahr. Was uns präsentiert wurde, war nicht Fisch und nicht Fleisch. Werden das Gefühl nicht los, das ganze Jahr nur ein Wetter gehabt zu haben. Tagsüber ein Mix aus Regen, Wind und ganz nett, nachts einfach nur kalt. Jahreszeiten, Fehlanzeige, auch dadurch unterstützt, dass Neuseeland nicht „riecht“: Keine Frühlingsfrische, kein Sommerlüftchen, kein Herbstmoder. Daher wird wohl als eines der ersten Dinge zurück in Österreich etwas sein, was wir schon lange nicht mehr genossen haben: Eine richtig schöne, lange, laue Sommernacht auf der eigenen Terrasse…und möge sie noch so Jetlag-bedingt sein…

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Kilometer, Kids und Kängurus: Die Weders in Australien

19. Dezember 2011

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch wieder heraus. Das spricht wohl für Franzisca und mich und die Wahl unserer Worte als „elterliche Rufer“, in gleicher Form aber auch für den Wald, in unserem Fall unsere beiden Kinder Kaspar und Julius. Das bisschen  Stolz und Eigenlob erlaube ich mir an dieser Stelle einfach. Denn was wir mit den Kleinen „angestellt“ haben, dazu muss man schon aus besonderem Holz geschnitzt sein – nicht nur des Wald-Bildes wegen. Mehr als 4000 km in 11 Tagen haben wir in Australien’s Outback heruntergerissen. Dass es trotzdem oder gerade deswegen ein solch großartiges Familien-Erlebnis war, haben wir vor allem unseren beiden Kindern zu verdanken.  Sie waren geduldig, ausdauernd, liebevoll, trotz Hitze, trotz Gefangennahme im Kindersitz auf so manchem Outback-Kilometer, trotz ungewohnter Umgebung, trotz ungewohntem Rhythmus, mit einem Wort Top – aber mehr dazu unten!

Unsere Tour startete in Adelaide, wo wir auf dem Stuart Highway über Port Augusta und Coober Pedy bis nach Alice Springs „gedüst“ sind. Zurück über den Uluru und die Olgas sowie mit einem abschließenden Abstecher zu den Flinders Ranges und ins Clare Valley Weingebiet. Die Belohnung: Ein Woche Farm bei den Lockwoods, meiner Familie Nummer 2. Da Bilder bekanntlich mehr als Worte sprechen, lass ich diese ran: https://picasaweb.google.com/110240950975546356364/Australien2011.

Was aber waren die Erfolgsrezepte? Unsere essentiellen Top 3, die einen Australien-Outback-Trip mit Kids zu einem großen Spaß werden lassen.

Top 3: Das richtige Equipment!
Wer mich kennt, weiß: Ich stehe auf gute Infrastruktur – beim Arbeiten wie im Privaten. So war das auch in Australien als Grundlage für den Familien-Spaß. Unerlässlich hier: ein Campervan mit Kühlschrank, Campingstühle, iPhone und Autoradio mit USB-Anschluss, Wasser und Sonnencreme, Lego, Bücher und anderes Kinderspielzeug. Alles andere war nice to have, aber im Grunde Luxus.

Gerade für „weite“ Länder ist der Campervan einfach die beste Art, um mit Kindern zu reisen, auch wenn es preislich wohl insgesamt etwas mehr zu Buche schlägt als mit Auto und H/Motels. Das aber ist es wert. Es ist einfach alles da, was man braucht: Platz, Essen, Schlafmöglichkeit, Unterhaltung. Gerade letzteres ist wichtig für die Kids. Das iPhone sorgt für die Musik, da die Musikauswahl im Outback doch sehr eingeschränkt bis überhaupt nicht vorhanden ist. Gut, sich dann hundert mal die gleichen Kinderlieder anzuhören, gehört dann auch dazu. Bücher und Malutensilien sind für eine kurzweilige Ablenkung während und auch nach der Fahrt hervorragend geeignet. Und die Campingstühle? Die sind dann vor allem für die Erwachsenen ein Muss, um in bequemer Art und Weise unter dem weiten Sternenhimmel noch das eine oder andere kühle Getränk nach einem langen Tag genießen zu können.

Top 2: Ausreichend Zeit und wenig Plan!
Wir hatten keinen Plan. Nein, stimmt nicht ganz. Wir wussten, dass wir in 11 Tagen nach Alice Springs und zurück wollten, Outback erleben. Der Uluru war ebenfalls ein „Must“, alle anderen Plätze und Ausflugsziele aber fielen unter die Kategorie „vielleicht, wäre schön, muss aber nicht“. Die Rechnung war also großzügig angelegt, mit ausreichend Zeit für Ausflüge und andere Eventualitäten. Denn eines schien uns klar: Reisen mit Kids dauert im Ganzen einfach länger. Das fängt morgens beim Aufstehen und Zusammenräumen an und hört mit den durchgesessenen Pobacken am Abend auf. In diesem Bewusstsein sind wir locker los.

Das Lockere blieb, denn auch ohne Karte oder Detailplan: Man wird in Oz überall geholfen. In jedem kleineren Dörfchen gibt es das große „I“, wo es umfangreiches Material für alle Touristen zu den örtlichen Sehenswürdigkeiten sowie zu den kommenden hundert Kilometern gibt. Mal hier halten, mal dort halten, mal da fragen. Selbst als Mann kein Einbruch des Jäger-und-Sammler-Selbstbewusstseins. Denn damit kommt man überall hin. Und die Rechnung, die ging voll auf: kein Stress wegen scheinbar fehlender Tageskilometer, kein Stress bei vermeintlichen Umwegen, kein Stress bei (unerwarteten) Pausen, kein Stress wegen Übernachtungssuche. Herrlich! Urlaub!

Top 1: Grandiose Kids!
Vorweg: Eltern mit Kindern, für die bereits der Kurztrip zum Einkaufszentrum ein Graus ist, sollten Australien schnell vergessen. Da helfen auch die besten Top 2 und 3 nichts. Wir hatten Kaspar und Julius. Und es war wunderbar, Australien nicht nur durch unsere, sondern auch durch ihre Augen zu sehen. Klar hinterlassen die vielen Kilometer Spuren, ein bisschen Meckern hier, ein wenig Gezanke dort, es wäre ein Wunder, wenn es das nicht gäbe. Peanuts aber im Vergleich zu den eindrucksvollen Erlebnissen, die wir mit ihnen teilen durften: Wanderungen durch die Olgas, am Uluru und in den Flinders, die für die kleinen Füßchen wie Marathonläufe gewesen sein müssen, viele Geschichten von und mit Aborigines und ihren Naturgottheiten, unvergleichliche Männer-Abwasch-Orgien mit hilfreichen Ratschlägen, kreative „Ich sehe was, was Du nicht siehst“-Outback-Kilometer (wie viele verschiedene Knöpfe doch so ein Toyota-Cockpit hat…:-)) und einfach vielviel intensive Zeit miteinander. Und wenn wir ehrlich sind: Das war dann doch das eigentlich Großartige! Und dafür braucht es nicht einmal einen Camper, und eigentlich noch weniger Australien…

5 Dinge, warum Neuseeland Österreich ist

6. September 2011

Sie liegen so weit auseinander, und doch ähneln sich unsere beiden derzeitigen Heimatländer in vielen Belangen. Hier nach einer Zeit Beobachtung das erste Fazit mit unserer eigenen, deutschen Kommunikationsbrille: fünf Dinge, warum Neuseeland Österreich ist, und andersrum.

Grund 5: Beide Länder sprechen fremde Sprachen!!
Schon der österreichische Journalist Karl Kraus soll gesagt haben: „Der Österreicher unterscheidet sich vom Deutschen durch die gemeinsame Sprache!“ Beim „Kiwi“ wiegt der Unterschied zu „unserem“ Deutsch noch deutlicher, er spricht englisch. Relativ verständlich, aber doch anders, und für die Kinder umso mehr: Statt dem Kärntnerischen „Maaaaa“ gibt es jetzt nur noch ein langgezogenes „Nooooooo“.

Grund 4: Ein Zentrum, viel drumrum!!
Wien heißt das Zentrum Österreichs, Auckland das von Neuseeland. Drum herum liegen auch noch andere Orte und Regionen, zum Beispiel Klagenfurt oder Hamilton. Die jedoch reihen sich von der Bedeutung gehörig weit dahinter ein – vor allem wirtschaftlich und politisch, von der internationalen Bekanntheit gar nicht zu sprechen. Und sie haben gemeinsam: Sie sind neidisch, böse, stinkig oder wie man es beschreiben mag auf den jeweiligen „nationalen Wasserkopf“. Dafür herrscht „draußen“ eine hohe regionale Verbundenheit und Identifizierung, auch was.

Grund 3: Telekom in beiden Ländern im Medien-Rampenlicht!!
Während der österreichische Ex-Monopolist mit Korruption und Politikerbestechung zu kämpfen hat, macht das neuseeländische Pendant zur Rugby-WM mit einer geplanten Sex Kampagne oder besser Anti-Sex-Kampagne („abstain for the All Blacks“, frei übersetzt „Lieber All Blacks als Sex“) auf sich aufmerksam und in den Medien und der Öffentlichkeit gehörig durch den Kakao gezogen wurde mit Facebook-Gruppen wie „Banging for Black“ als Gegenpol zur offiziellen Telecom-Unterstützer-Fansite „Backing Black“. Ach ja, und der Vorwurf der Ausnutzung der Monopolstellung und des nicht gerade zügigen Ausbaus neuer, schnellerer Breitband-Strukturen, die gibt es offenbar überall.

Grund 2: Beide Länder sind fanatische Randsportliebhaber!!
Während Neuseeland auf Rugby und Rudern setzt, baut Österreich auf Skifahren und Skispringen. Diejenigen, die es dort zur Nummer 1 schaffen (und manchmal ist nicht einmal das notwendig), sind große Stars in ihrem Land, international jedoch in vergleichsweise kleinem Rahmen.

Grund 1: Beide Länder sind eine Insel!!
Während Austria is a too small country  to make good corruption, sich in seinen eigenen vier Wänden aber wunderbar wohlfühlt und oftmals in Entscheidungen eigene Wege geht, die nicht immer zwingend mit EU-Kriterien übereinstimmen müssen, gestaltet sich Neuseeland schon geographisch als Insel – und das spürt man auch. Selbstversorgermentalität pur. Was drumrum passiert, interessiert wenig, ist ja auch weit weg – hier wie dort.

Fazit Väterkarenz – Gesamteindruck und das Ende des Blogs

6. April 2009

Ja, ich bin immer noch Stefan Weder. Ich bin immer noch die gleiche Person, daran haben auch acht Monate Väterkarenz nichts geändert. Aber ich bin wohl ein anderer Mensch, ein Mensch, der durch die Väterkarenz um etliche Facetten reicher wurde.

Jetzt, nach vielen Monaten, hunderten Einträgen und viel Engagement für dieses Blog ist es Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen, Zeit für ein abschließendes Fazit zu meiner Väterkarenz. Was also ist es, was ich kommenden, zukünftigen, seienden oder planenden Karenzvätern mit auf den Weg geben kann?

Der wichtigste Tipp vorweg: MACHT’S! Der Schritt, in Väterkarenz zu gehen, ist sicherlich nicht einfach. Für manche ist das vielleicht rationell nicht zu begründen, die finanziellen Einbußen, die harten Momente, wenn Kaspar schreit, die Karriere. Mal dahingestellt, ob und in welcher Form diese Bedenken überhaupt ihre Berechtigung haben – rationell ist so ein Schritt eh nicht zu begreifen. Das Vater-Kind-Spiel findet auf einer ganz anderen, der emotionalen Ebene ab. Ich bin überzeugt: Diese Monate haben nicht nur Kaspar und mich zusammengeschweißt, sie haben mich selbst einen großen Schritt im Leben weitergebracht, in jeglicher Weise. Falls ich noch nicht wußte, was Verantwortung bedeutet, jetzt weiß ich es. Falls ich noch nicht wußte, was Organisation und Zeitmanagement bedeutet,  jetzt weiß ich es. Falls ich noch nicht wußte, was Nerven und Ruhe bewahren wirklich bedeutet, jetzt weiß ich es. Was das wert ist, kann sich wohl jeder selbst ausmalen.

Wenn Ihr Euch dafür entschieden habt und der Arbeitgeber das absegnet, ein weiterer Tipp: NUTZT DIE ZEIT! Nein, ich widerspreche mich hier nicht. Viel Zeit für viele „Aktivitäten mit Kind“ wird es in der Väterkarenz nicht geben, das ist ein Fulltime-Job, das muss jedem klar sein. Was es aber gibt, ist die Zeit zum Nachdenken. Es ist viel Raum für kreative Ideen, die sich wunderbar auf die Liste „Was noch cool wäre“ setzen lassen. Stift und Notizblock waren meine ständigen Begleiter. Und jetzt nach der Karenz macht es Spaß, sich aktiv an die Umsetzung zu machen. Auch wenn dieses Blog hiermit zu Ende ist, Ihr hört von mir…:-)

Und zu guter Letzt: GENIESST DIE ZEIT! Die Möglichkeit, in Väterkarenz zu gehen, wird sich im Leben nicht oft stellen. Nicht alles war eitel Sonnenschein, nicht alles war wie die Kirsche auf der Sahne, aber ich fühle mich reifer, erfahrener, größer, vielfältiger, ausgeglichener. Ich habe die Möglichkeit ergriffen – und wahrlich genossen.

Der Grund für diese vielen kleinen und großen positiven Dinge heißt Kaspar. Kleiner Mann, danke für die vielen schönen Stunden in der Väterkarenz, die vielen Stunden davor und danach und für die vielen Stunden, die noch kommen werden. Ich hab Dich lieb!

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Fazit Väterkarenz, Teil 8 – Kaspar und ich

25. März 2009

Was haben wir nicht alles erlebt: Reisen, Spielen, Wickeln, Lachen, Toben, Brüllen, Füttern, Krabbeln, Gehen, Sprechen – die Liste ließe sich hier sicher noch endlos fortsetzen. Kaspar und ich sind wahrlich zusammengewachsen in den acht Monaten. Klar, eine Mama werde ich nie, und das will ich auch gar nicht. Aber wichtig und wertvoll für die Beziehung zu dem kleinen Racker war die Väterkarenz allemal. Auch und insbesondere jetzt, wo ich wieder arbeite, merke ich, wie stark wir von der gemeinsamen Zeit profitieren.

Ich kenne doch einige Familien, bei der das Kind sehr stark auf die Mama fixiert ist. Verlässt sie den Raum, ist das Geschrei groß. Zugegeben, auch bei uns kommt das trotz Väterkarenz noch vor. Aber ich denke doch, dass wir insgesamt ein wenig entspannter an die Sache rangehen können. Kaspar und ich – ein tolles Team.

Fazit Väterkarenz, Teil 7 – Mobilität

25. März 2009

Hierüber könnte ich Seiten schreiben. Mobilität ist ein ständiger Begleiter von uns, denkt man alleine an die Fahrten Wien-Klagenfurt oder an unseren USA-Trip. Mobil zu sein und mobil zu bleiben ist für uns einfach wichtig. Und das es dabei auch (meistens) ohne Auto funktioniert, dafür sind wir – denke ich – mehr als ein gutes Beispiel. Wir, und auch Kaspar, sind präsdestiniert für die Gold und Senior Cards dieser Welt. Interessant wäre es, wieviele Kilometer wir insgesamt in der Väterkarenz runtergespult haben. Da kommen wohl einige Nullen zusammen.

Alles, womit man sich fortbewegen kann, nutzen wir. Für Kaspar ist der Kinderwagen natürlich das bevorzugte Mittel. Die Investitionen in ein robustes Gefährt haben sich allemal ausgezahlt. Ebenfalls interessant: Die Menschen sind durchwegs freundlich gestimmt, wenn sie Mann/Frau mit Kinderwagen sehen. Ob im Zug oder in der Tram, wir können wirklich fast ausschließlich positiv von der Hilfsbereitschaft der Zugbegleiter, Kontrolleure oder Tramfahrer berichten. Und ein weiteres wichtiges Learning: Wenn man will, geht alles. OK, manchmal kamen wir uns sicherlich vor wie die Packesel. Mittlerweile haben wir aber im Bereich „Reisen mit Kind“ eine so große Erfahrung gesammelt, dass optimiertes Packen wohl zu den Kernkompetenzen von uns zu zählen ist.

Natürlich gibt es auch hier wie überall eine Kehrseite der Medaille. Immer on the road zu sein, ist nicht unstressig. Umso wichtiger sind für uns dann auch die ruhigen Wochenende zu Hause. Aber ich denke, ein wenig sind wir auch abhängig von der Mobilität. Ohne dieses Hin und Her würde uns sicher etwas abgehen. In diesem Sinne: Keep on running.

Fazit Väterkarenz, Teil 6 – Zweisamkeit

24. März 2009

Es war nicht immer leicht. Als Kaspar kam, gab es für Franzisca und mich einen neuen Lebensmittelpunkt. Klarerweise hat die Zweisamkeit darunter gelitten. Prinzipiell kein Thema, aber hin und wieder haben wir uns schon gewünscht, einmal was ohne Kaspar zu unternehmen – insbesondere nachdem Kaspar von der geliebten Brust auf feste Nahrung gewechselt hat und die Babysitter-Zeit angebrochen war. Da wäre es manchmal gut und einfacher gewesen, die Familie, die Omas und Opas in der Nähe zu haben. Aber was nicht ist, ist halt nicht.

Zweisamkeit zu bewahren und die schönen Momente, die es vor dem Leben mit Kind gab, auch in der Zeit mit einem Kind zu erleben, ist ein extrem wichtiger Punkt. Manche Paare – so weiß ich aus Gesprächen – lösen dies mit fest institutionalisierten „Paartagen“, Abende, die fest füreinander reserviert sind, manche konzentrieren sich aufs Wochenende. Wir planen die Zweisamkeit nicht.  Wir machen uns die Momente zu zweit, wie sie kommen, schön – sei es bei gemütlichen Abenden zu Hause, wenn Kaspar schläft, sei es bei Babysitter-Abenden oder bei Besuchen von Freunden und Bekannten. Und wir leben gut damit. Denn die schönen Momente zu dritt sind für uns irgendwie auch eine Art schöner Momente zu zweit.

Fazit Väterkarenz, Teil 5 – Arbeitgeber

17. März 2009

Ich höre die Frage immer wieder: Und? Der Arbeitgeber hat in Sachen Väterkarenz mitgespielt? Ja, das hat er – so meine einfach Antwort. Und das ist für alle, die eine Väterkarenz planen, sicherlich von hoher Bedeutung. Auch für mich war das nicht anders. Schließlich macht man sich so seine Gedanken, ob einem dieser Schritt zugestanden wird, wie es nach der Väterkarenz weitergeht, ob dann der persönliche Sessel  noch da ist, welche Einschnitte das in der Karriere bedeutet.

Seit 1,5 Monaten sitze ich jetzt wieder in meinem Bürostuhl. Und natürlich hat sich in der Zeit, in der ich „weg“ war, vieles verändert. Neue Kolleginnen und Kollegen, neue Kunden, neue Aufgaben. Auch wenn das PR-Geschäft prinzipiell das gleiche ist, war es für mich doch ein klein wenig wie ein „Neuanfang“. Lange hat es nicht gedauert, sich zu aklimatisieren, das geht ziemlich fix. Und das Wichtigste: Was ich mache, macht Spaß.

Was die „Auszeit“ für die Karriere wirklich bedeutet, das kann ich im Moment noch nicht sagen. Da müssen wohl noch einige Monate oder Jahre ins Land ziehen. Ich weiß nur eins: Durch Kaspar und die Väterkarenz wurde mein persönliches Modell „Karriere“ um eine wichtige Komponente reicher.

Fazit Väterkarenz, Teil 4 – Freunde

15. März 2009

Wenn Du ein Kind hast, wird alles anders. Wie oft das in meinem Ohr geklungen hat, ich weiß es nicht. Sehr oft jedenfalls. Klar, ein bisschen neu ist alles schon, aber ALLES?

Völliger Unsinn. Ich denke es ist vieles nur eine Frage der Herangehensweise. Jedenfalls hatte ich nicht das Gefühl, dass wir unsere Freunde in der Väterkarenz zu wenig gesehen hätten. Im Gegenteil: Wir waren viel unterwegs, ja fast mehr noch als ohne Kind. Jetzt mit war es dafür zwar natürlich in der Logistik etwas aufwändiger, aber unter Strich irgendwie noch erfüllter.

Klar, jeden Tag auf die Piste zu gehen und bis 4 Uhr früh einen auf Rambazamba zu machen, das ist nicht mehr drin. Aber das gehört und gehörte bei mir sowieso nicht zum Alltagsrepertoire. Dann doch lieber gemütliche Tage und Abende bei und mit Freunden in lustiger Runde. Beschwerden jedenfalls, dass wir wegen Kaspar ein wenig nachlässig geworden wären, sind mir noch nicht zu Ohren gekommen. Und ich habe keine kleinen Ohren… 🙂 Ich freu mich auf jeden Fall jetzt schon auf die nächsten Runden…

Fazit Väterkarenz, Teil 3 – geistiger Anspruch

11. März 2009

Müsste ich mein Hirn nach den acht Monaten Väterkarenz kurz beschreiben, würde ich wohl „frisch durchgelüftet“ wählen. Dass Windeln wechseln und Kinderwagen schieben von der geistigen Herausforderung nicht mit dem PR-Leben, wo so schöne Dinge wie Argumentation, Kreativität und Konzeption an der Tagesordnung stehen, vergleichbar ist, war mir von Anfang an klar. Das habe ich gar nicht anders erwartet. Mussten die Gehirnwindungen halt andersweitig auf Trab gehalten werden – allem voran viel Lektüre, und das eine oder andere Rätsel war auch dabei… 🙂 . Gehirn auf Standgas praktisch. Vom zeitlichen Anspruch jedoch habe ich, wie ja schon geschrieben, die Aufgabe Väterkarenz doch deutlich unterschätzt.

Falls das jetzt negativ geklungen haben sollte: So ist mein Fazit ganz und gar nicht gemeint. Im Gegenteil: Die Karenzzeit hat mir die Möglichkeit gegeben, neue gedankliche Wege zu beschreiten, durch den zwischenzeitlichen Abstand zum Job jetzt wieder mit anderen Denkweisen an Aufgaben heranzugehen. Wie gesagt: „Frisch durchgelüftet“.