Posts Tagged ‘Väterkarenz’

Fazit Väterkarenz – Gesamteindruck und das Ende des Blogs

6. April 2009

Ja, ich bin immer noch Stefan Weder. Ich bin immer noch die gleiche Person, daran haben auch acht Monate Väterkarenz nichts geändert. Aber ich bin wohl ein anderer Mensch, ein Mensch, der durch die Väterkarenz um etliche Facetten reicher wurde.

Jetzt, nach vielen Monaten, hunderten Einträgen und viel Engagement für dieses Blog ist es Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen, Zeit für ein abschließendes Fazit zu meiner Väterkarenz. Was also ist es, was ich kommenden, zukünftigen, seienden oder planenden Karenzvätern mit auf den Weg geben kann?

Der wichtigste Tipp vorweg: MACHT’S! Der Schritt, in Väterkarenz zu gehen, ist sicherlich nicht einfach. Für manche ist das vielleicht rationell nicht zu begründen, die finanziellen Einbußen, die harten Momente, wenn Kaspar schreit, die Karriere. Mal dahingestellt, ob und in welcher Form diese Bedenken überhaupt ihre Berechtigung haben – rationell ist so ein Schritt eh nicht zu begreifen. Das Vater-Kind-Spiel findet auf einer ganz anderen, der emotionalen Ebene ab. Ich bin überzeugt: Diese Monate haben nicht nur Kaspar und mich zusammengeschweißt, sie haben mich selbst einen großen Schritt im Leben weitergebracht, in jeglicher Weise. Falls ich noch nicht wußte, was Verantwortung bedeutet, jetzt weiß ich es. Falls ich noch nicht wußte, was Organisation und Zeitmanagement bedeutet,  jetzt weiß ich es. Falls ich noch nicht wußte, was Nerven und Ruhe bewahren wirklich bedeutet, jetzt weiß ich es. Was das wert ist, kann sich wohl jeder selbst ausmalen.

Wenn Ihr Euch dafür entschieden habt und der Arbeitgeber das absegnet, ein weiterer Tipp: NUTZT DIE ZEIT! Nein, ich widerspreche mich hier nicht. Viel Zeit für viele „Aktivitäten mit Kind“ wird es in der Väterkarenz nicht geben, das ist ein Fulltime-Job, das muss jedem klar sein. Was es aber gibt, ist die Zeit zum Nachdenken. Es ist viel Raum für kreative Ideen, die sich wunderbar auf die Liste „Was noch cool wäre“ setzen lassen. Stift und Notizblock waren meine ständigen Begleiter. Und jetzt nach der Karenz macht es Spaß, sich aktiv an die Umsetzung zu machen. Auch wenn dieses Blog hiermit zu Ende ist, Ihr hört von mir…:-)

Und zu guter Letzt: GENIESST DIE ZEIT! Die Möglichkeit, in Väterkarenz zu gehen, wird sich im Leben nicht oft stellen. Nicht alles war eitel Sonnenschein, nicht alles war wie die Kirsche auf der Sahne, aber ich fühle mich reifer, erfahrener, größer, vielfältiger, ausgeglichener. Ich habe die Möglichkeit ergriffen – und wahrlich genossen.

Der Grund für diese vielen kleinen und großen positiven Dinge heißt Kaspar. Kleiner Mann, danke für die vielen schönen Stunden in der Väterkarenz, die vielen Stunden davor und danach und für die vielen Stunden, die noch kommen werden. Ich hab Dich lieb!

kasparundich2

Advertisements

Fazit Väterkarenz, Teil 8 – Kaspar und ich

25. März 2009

Was haben wir nicht alles erlebt: Reisen, Spielen, Wickeln, Lachen, Toben, Brüllen, Füttern, Krabbeln, Gehen, Sprechen – die Liste ließe sich hier sicher noch endlos fortsetzen. Kaspar und ich sind wahrlich zusammengewachsen in den acht Monaten. Klar, eine Mama werde ich nie, und das will ich auch gar nicht. Aber wichtig und wertvoll für die Beziehung zu dem kleinen Racker war die Väterkarenz allemal. Auch und insbesondere jetzt, wo ich wieder arbeite, merke ich, wie stark wir von der gemeinsamen Zeit profitieren.

Ich kenne doch einige Familien, bei der das Kind sehr stark auf die Mama fixiert ist. Verlässt sie den Raum, ist das Geschrei groß. Zugegeben, auch bei uns kommt das trotz Väterkarenz noch vor. Aber ich denke doch, dass wir insgesamt ein wenig entspannter an die Sache rangehen können. Kaspar und ich – ein tolles Team.

Fazit Väterkarenz, Teil 4 – Freunde

15. März 2009

Wenn Du ein Kind hast, wird alles anders. Wie oft das in meinem Ohr geklungen hat, ich weiß es nicht. Sehr oft jedenfalls. Klar, ein bisschen neu ist alles schon, aber ALLES?

Völliger Unsinn. Ich denke es ist vieles nur eine Frage der Herangehensweise. Jedenfalls hatte ich nicht das Gefühl, dass wir unsere Freunde in der Väterkarenz zu wenig gesehen hätten. Im Gegenteil: Wir waren viel unterwegs, ja fast mehr noch als ohne Kind. Jetzt mit war es dafür zwar natürlich in der Logistik etwas aufwändiger, aber unter Strich irgendwie noch erfüllter.

Klar, jeden Tag auf die Piste zu gehen und bis 4 Uhr früh einen auf Rambazamba zu machen, das ist nicht mehr drin. Aber das gehört und gehörte bei mir sowieso nicht zum Alltagsrepertoire. Dann doch lieber gemütliche Tage und Abende bei und mit Freunden in lustiger Runde. Beschwerden jedenfalls, dass wir wegen Kaspar ein wenig nachlässig geworden wären, sind mir noch nicht zu Ohren gekommen. Und ich habe keine kleinen Ohren… 🙂 Ich freu mich auf jeden Fall jetzt schon auf die nächsten Runden…

Fazit Väterkarenz, Teil 3 – geistiger Anspruch

11. März 2009

Müsste ich mein Hirn nach den acht Monaten Väterkarenz kurz beschreiben, würde ich wohl „frisch durchgelüftet“ wählen. Dass Windeln wechseln und Kinderwagen schieben von der geistigen Herausforderung nicht mit dem PR-Leben, wo so schöne Dinge wie Argumentation, Kreativität und Konzeption an der Tagesordnung stehen, vergleichbar ist, war mir von Anfang an klar. Das habe ich gar nicht anders erwartet. Mussten die Gehirnwindungen halt andersweitig auf Trab gehalten werden – allem voran viel Lektüre, und das eine oder andere Rätsel war auch dabei… 🙂 . Gehirn auf Standgas praktisch. Vom zeitlichen Anspruch jedoch habe ich, wie ja schon geschrieben, die Aufgabe Väterkarenz doch deutlich unterschätzt.

Falls das jetzt negativ geklungen haben sollte: So ist mein Fazit ganz und gar nicht gemeint. Im Gegenteil: Die Karenzzeit hat mir die Möglichkeit gegeben, neue gedankliche Wege zu beschreiten, durch den zwischenzeitlichen Abstand zum Job jetzt wieder mit anderen Denkweisen an Aufgaben heranzugehen. Wie gesagt: „Frisch durchgelüftet“.

Fazit Väterkarenz, Teil 2 – Kosten

10. März 2009

Ich gebe zu: Ich konnte es anfangs schwer verstehen, wenn ein Vater den Wunsch nach Väterkarenz hatte, sich diesen aber aufgrund finanzieller Einbussen nicht erfüllt hat. Jetzt – nach acht Monaten Väterkarenz – sehe ich das ein wenig differenzierter. Geld spielt eine Rolle, gerade mit Kind. Die Anschaffungskosten von Klamotten, Möbel, Kinderwagen, Kindersitz und Co. sind nicht zu unterschätzen, dazu die laufenden Ausgaben durch Futter oder Windeln, da kommt schon was zusammen, keine Frage.

Entschieden haben wir uns damals für das 15+3-Paket. 800 Euro im Monat heißt das. Klingt eigentlich gar nicht schlecht, und gerade wenn man es mit internationalen Maßstäben vergleicht, ist das nicht wenig. In den USA ist so etwas wie Väterkarenz im Grunde gänzlich unbekannt, was wir auch durch die meist verwunderten Reaktionen auf unserem USA-Trip feststellen durften.  Auf jeden Fall war es gut, auf die Väterkarenz hin etwas auf die hohe Kante gelegt zu haben. Das, was vom Konto wegging, war weitaus größer als das, was durchs Betreuungsgeld reinkam. Für mich persönlich hätte sich das in Planung befindliche einkommensabhängige Karenzgeld sicherlich bezahlt gemacht. Und der Wiener Entschluss, die Kindergärten nun praktisch gratis anzubieten, kommt dem Börserl sicherlich noch weiter zu Gute.

Dennoch: Für einkommensschwächere Familien und Familien, die allein durch das Einkommen des Vaters getragen werden, ist die Entscheidung für die Väterkarenz sicherlich eine schwere, genaues kalkulieren ist angesagt. Und ich kann jetzt ein Nein zur Väterkarenz aus finanziellen Gründen durchaus verstehen.

Fazit Väterkarenz, Teil 1 – Zeit

4. März 2009

Dies ist der Anfang des Endes meines Blogs. Die Zeit mit Kaspar ist jetzt wieder eine andere, die Zeit zum Bloggen wird weniger – also wird es wohl höchste Zeit, mein Fazit der Väterkarenz zu ziehen. Am besten in Etappen, denn es gab viele schöne, viele spannende, viele herausfordernde Momente, die in einem Aufguss hier wohl keinen Platz finden würden. Und wenn schon so viel von Zeit die Rede ist, beginne ich auch gleich mal mit dem Thema Zeit.

In der Väterkarenz hat das Wort „Zeit“ für mich neue Dimensionen bekommen. Der Umstieg vom vielbeschäftigten PR-Menschen zum Vollzeit-Papa gestaltete sich noch relativ einfach. Schließlich war der Faktor „mehr Zeit mit Kaspar“ einer der wesentlichen Gründe, in Karenz zu gehen. Die ersten Monate waren dementsprechend auch sehr erfüllt, die Zeit ist förmlich dahingerauscht, im wahrsten Sinne der Wechsel von einem Full-Time-Job zum nächsten. Die Erwartung „da mach ich dann dies und das, weil ich eh viel Zeit habe“ war definitiv falsch.

Als die täglichen Abläufe saßen,  als sich Kaspar und ich besser eingespielt hatten, wurde die Zeit, oder besser das Gefühl für die Zeit, deutlich länger. Tagesformabhängig waren Momente dabei, wo die Stunden doch sehr langsam vergingen, gegen Ende der Karenz in zunehmenden Maße. Positiv betrachtet war dies aber auch die Zeit, um durchzuschnaufen, um insgesamt ruhiger, ausgeglichener und gelassener zu werden. Jetzt nach der Karenz und wieder im Job ist es die Kunst, sowohl die er- und ausgefüllten Zeitspannen als auch die ruhige Zeit im Sinne eines „optimierten Timemanagements“ miteinander zu verbinden – und das gilt beides sowohl für die Zeiten im Job als auch für die Zeit mit meiner Familie. Ich arbeite daran…

Vom Wollen und Tun!

10. Februar 2009

Eigentlich wollte ich hier viel mehr schreiben, eigentlich wollte ich langsam mein Fazit der Väterkarenz beginnen, eigentlich wollte ich die Neuigkeiten zur Entwicklung in Sachen einkommensabhängiges Karenzgeld in Österreich bekannt geben, eigentlich wollte ich noch ein paar Bilder hochstellen, eigentlich wollte ich….aber ich…

…habe Spaß an meinem neuen alten Job…

…will die Zeit, die ich morgens und abends mit meiner kleinen Familie habe, nicht durch weitere Zeit am Computer vergeuden…

…genieße die neue, spannende Alltagswelt…

Fazit: Alles bestens!

Morgen-Abend-Papa

4. Februar 2009

Er schmeckt recht gut, der PR-Alltag. Soviel kann ich nach den ersten beiden Tagen zurück im Job schon sagen. Die hohe Schlagzahl, die manchmal hektischen Momente um einen herum, die Witzeleien unter KollegInnen, der Flurtalk – es kribbelt wieder. Und auch der Schreibtisch füllt sich bereits mit Unterlagen.

Für Kaspar bin ich nun klarerweise der Morgen-Abend-Papa. Morgens weg, abends wieder da. Am ersten Tag muss Kaspar des Öfteren nach „Papa“ verlangt haben. Ich krieg das ja zum Glück nicht mit. Wir verlegen halt jetzt das Kuscheln und Spielen auf Früh und Spät. Und irgendwie scheint es, dass  Kaspar und ich bzw. unsere Alltage sich grad anpassen: Beim Gehen in der Früh vermissen wir den anderen, im Job bzw. in der Kinderkrippe (so nehm ich jetzt mal an) sind wir reichlich abgelenkt und am Abend freuen wir uns auf den anderen. Auch irgendwie schön!

8 Monate Väterkarenz (Ende) – Spannung und Vorfreude

30. Januar 2009

Tatsächlich, es ist vorbei. Meine Zeit zu Hause mit Kaspar endet. Acht Monate sind rum. Kurz zusammengefasst: Der Jänner war geprägt von einer Mischung aus Vorfreude auf den Job und Spannung, was wohl die Monate danach bringen werden.

Kaspar schlägt sich weiterhin bravorös. Immer mehr Tiere werden perfekt immitiert, die ersten Wortfetzen sind in Arbeit, und egal, was wir auch tun und wie turbulent es auch manchmal zugeht, das Lachen gehört zu seinen Spezialdisziplinen.

starschnitt

Die letzten Tage haben wir zu zweit noch einmal männertechnisch ausgekostet und eine ganz intensive Zeit ohne Franzisca erlebt. Für ein Fazit lasse ich aber erst mal ein paar Tage im Job verstreichen. Dazu war die Karenzzeit zu facettenreich, vielschichtig sowie lehr- und erfahrungsreich. Wir beide, Kaspar und ich, sind enorm gewachsen – jeder auf seine Weise. Wie wir zur Zeit der Welt entgegenlächeln, gibt es natürlich wieder auf den Vorher/Nachher-Seiten.

Zum Nachlesen aber noch einmal die Väterkarenz-Monate in Etappen:

7 Monate Väterkarenz – Augen Richtung Neuanfang

28. Dezember 2008

Weihnachtsfeiern sind immer was Spannendes. Es wird zurückgeblickt, es wird in die Zukunft geblickt und es wird gefeiert. Letzte Woche war ich auf einer solchen bei Hochegger, meinem Arbeitgeber vor und nach der Karenz. Klar, dass meine Zeit mit Kaspar im Mittelpunkt stand. Was mir dabei besonders vor Augen geführt wurde: Ich bin ja schon fast wieder am Ende angelangt. Eine der vielen Frage: Wie ist denn jetzt eigentlich mein Fazit der Väterkarenz?

Fazit? Auch wenn die Zeit verfliegt, es ist „erst“ Ende Dezember. Und ein endgültiges Resümee werde ich wohl erst drei, vier Monate nach Ende der Väterkarenz abgeben können. Denn wie ich mich in die eine Richtung ohne Job umgewohnen musste, werde ich mich wohl in die andere Richtung zurück in den Job ebenfalls wieder umgewöhnen müssen.

Weiters aufgefallen: Gerade die Leute, die „sozialen Kontakte“ wie es so schön heißt, sind das, was mir wohl zur Zeit bzw. in der Karenzzeit am meisten abgeht, insbesondere wenn ich in Klagenfurt bin. Nicht, dass ich jeden Tag mit Freunden „auf die Pist'“ gehen würde, aber allein die Chance darauf macht Wien schon attraktiv.

Auf jeden Fall haben wir unsere gute Laune, die ja im November ein wenig gedämpft war, wiedergefunden. Kaspar ist prächtig, wird immer selbst- und eigenständiger, ein echter kleiner Mann mit eigenen Wünschen und eigenem Willen. Im Grunde checkt er alles, was wir ihm sagen – und meist folgt er auch brav 🙂 .

Positiv sind auch die Kommunikation und Interaktion: Worte sind zwar noch nicht wirklich drin, aber zum Glück gibt es ja Finger und Quietschtöne, mit denen man auf etwas aufmerksam machen kann. Und im Prinzip reicht das ja. Worte sind ja manchmal wirklich sowas von Unnütz…

Die Vorher/Nachher-Seite zeigt übrigens wieder, wie es im Dezember in Sachen Entwicklung von Vater und Sohn weiterging. Dann auf in den letzten Karenzmonat, würd ich sagen…